Ärzte Zeitung online, 13.09.2013

Stumpfes Nierentrauma

Meist reicht konservative Therapie

Auch bei schwerverletzten, aber hämodynamisch stabilen Patienten mit stumpfem Nierentrauma ist eine erfolgreiche konservative Versorgung möglich. Nur bei wenigen Patienten versagt diese Maßnahme, wie eine US-Studie bestätigt.

Von Peter Leiner

Meist reicht konservative Therapie

Ein stumpfes Bauchtrauma ist typisch bei Fahrradstürzen. Bei 10 Prozent der Verunglückten sind die Nieren betroffen.

© Henry Czauderna / fotolia.com

BOSTON. Wenn es zu einem stumpfen Bauchtrauma kommt, sind bei 10 Prozent der Verletzten die Nieren betroffen.

Bereits 2005 hat eine Metaanalyse ergeben, dass etwa 90 Prozent der Patienten mit einem ausgeprägten stumpfen Nierentrauma (Grad IV und V) erfolgreich konservativ behandelt werden können.

Chirurgen um Dr. Gwendolyn M. van der Wilden am Massachusetts General Hospital in Boston haben nun in ihrer retrospektiven Fallserie den Erfolg der konservativen Therapie überprüft (JAMA Surg 2013; online 14. August).

Für die Untersuchung standen die Befunde von insgesamt 206 Patienten zur Verfügung, die ein stumpfes Nierentrauma von Grad IV (154 Verletzte) und Grad V (52 Verletzte) hatten.

Grad IV bedeutet eine durchgehende Parenchymläsion von Nierenkortex und -medulla sowie des Sammelsystems. Bei einer Schädigung vom Grad V liegt eine Multifragmentation mit oder ohne Nierenstielabriss, eine Blutung sowie Sequesterbildung vor.

Die Einteilung des Schweregrades wurde mithilfe der Computertomografie vorgenommen. Von der Studie ausgeschlossen wurden Patienten, die jünger als 15 Jahre waren, sowie Patienten, bei denen eine Notoperation an einer anderen Klinik erforderlich war.

Konservative Behandlung bedeutete eine Angiografie, eine angiografische Embolisation zur Blutungskontrolle und/oder das Einsetzen eines Ureterstents.

92,2 Prozent der Patienten reichte die konservative Versorgung

Insgesamt 154 Patienten (74,8 Prozent) erhielten eine konservative Versorgung, und bei 142 von diesen (92,2 Prozent) reichte die Maßnahme vollkommen aus. Die Versagerquote lag bei 7,8 Prozent (12 von 154 Patienten).

Davon lag bei zehn Patienten (6,5 Prozent) die Ursache im Nierentrauma - also Befunde, die mit denen in früheren Studien weitgehend übereinstimmen. Die angiografische Embolisation wurde bei 25 der 154 Verletzten (16,2 Prozent) vorgenommen, mit einer Erfolgsrate von 92 Prozent beim ersten und von 100 Prozent beim zweiten Versuch.

Mithilfe der Multivariatanalyse machten die Chirurgen zwei Parameter aus, die einen Vorhersagewert für einen Misserfolg der konservativen Therapie hatten: Alter über 55 Jahre und Verkehrsunfall als Ursache des stumpfen Nierentraumas.

Der Anteil der Patienten, bei denen die konservative Therapie versagte, lag bei 27,3 Prozent, wenn beides zutraf. Waren die Patienten jünger und hatten sie das Trauma nicht durch einen Verkehrsunfall erworben, wurde kein Versagen der konservativen Behandlung dokumentiert.

Zu den Komplikationen, die bei konservativer Therapie auftraten, zählten eine Hämaturie (24 Patienten), ein Urinom (15 Patienten), Harnwegsinfektionen (acht Patienten), Nierenversagen (sieben Patienten) sowie Abszesse bei zwei Patienten.

In der gesamten Studiengruppe konnten die Nieren bei mehr als 76 Prozent erhalten werden, in der Gruppe der Patienten mit konservativer Therapie sogar bei einem Anteil von über 90 Prozent.

Hämodynamisch stabile Patienten mit höhergradigem stumpfem Nierentrauma lassen sich auch ohne Op. erfolgreich versorgen.

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