Ärzte Zeitung online, 08.03.2017

Weltnierentag

Bei Übergewicht auch an die Nieren denken!

Zum Weltnierentag am 9. März warnen Mediziner vor dem gefährlichen Wechselspiel von Nierenerkrankungen und Übergewicht.

Bei Übergewicht auch an Niere denken!

Nicht einmal jeder dritte Betroffene in Deutschland weiß, dass seine Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren.

© benschonewille / fotolia.com

HALLE / SAALE. Die Nieren haben ja wenig Schmerzfasern und rufen für sich genommen keine Symptome hervor – ganz anders als etwa das Herz bei einem Infarkt. Genau hier liege die Gefahr, warnt das Uniklinikum der Universität Halle-Wittenberg in einer Mitteilung anlässlich des Weltnierentags am 9. März.

Einer Studie des Forscherteams um den Hallenser Nierenspezialisten Professor Matthias Girndt zufolge weiß nicht einmal jeder dritte Betroffene in Deutschland, dass seine Nieren nur noch eingeschränkt funktionieren.

Zu viel Körperfett schädigt die Nieren

Gerade bei dicken oder sehr dicken Menschen kommen oft mehrere Risikofaktoren für Nierenversagen zusammen. "Diabetes und Bluthochdruck sind je für 20 bis 30 Prozent aller chronischen Nierenerkrankungen verantwortlich", wird der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, Professor Mark Dominik Alscher, in der Mitteilung zitiert.

Zu viel Körperfett wirke sich nach neueren Erkenntnissen auch direkt schädigend auf die Nieren aus: Grund seien Entzündungsreaktionen im Fettgewebe von massiv Übergewichtigen, so Alscher. Dabei litten die Nieren schleichend, ihre Funktion lasse im Schnitt über eine Zeit von 10 bis 15 Jahren immer weiter nach.

Die Studie von Girndt und seinen Kollegen auf Basis von Daten des Robert Koch-Instituts sei eine der wenigen zum Vorkommen eingeschränkter Nierenfunktion in Deutschland, heißt es in der Mitteilung weiter. In der Studie kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass es hierzulande mindestens zwei Millionen Betroffene gibt. Bei vielen sei die Erkrankung unerkannt, und damit auch unbehandelt.

Zahl der Nierenkranken in Deutschland nimmt zu

"Wir als Nephrologen machen uns natürlich Gedanken, wie wir das früher entdecken", so Alscher. Im Frühstadium würden die Erkrankungen nur durch Zufall entdeckt. Viele wüssten um die Bedeutung von Cholesterinwerten – der Kreatininwert aber, der über die Nierenfunktion Aufschluss gibt, sei weithin unbekannt.

"Wir sollten die Krankheitsgruppe deutlich ernster nehmen und auch in der Öffentlichkeit das Bewusstsein schärfen, neben dem Cholesterin auch das Kreatinin zu bestimmen", fordert Alscher. Die günstigste Testmethode koste nur ein paar Cent. (eb)

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