Ärzte Zeitung, 26.10.2006

Langzeit-Behandlung reduziert Prostatavolumen

Dutasterid über vier Jahre bei BPH / Prostatavolumen nahm um 27 Prozent ab / Maximaler Harnfluß erhöht

HAMBURG (grue). Bei Männern mit benigner Prostata-Hyperplasie (BPH) kann eine Langzeittherapie mit Dutasterid den Harnfluß deutlich verbessern. Außerdem wird die Prostata in vier Jahren um etwa ein Viertel kleiner.

Patienten mit Prostata-Hyperplasie sind mit einer Langzeittherapie gut beraten: Sie verringert die Komplikationsrate etwa durch akuten Harnverhalt. Foto: klaro

Für Patienten mit symptomatischer BPH und einem Prostatavolumen über 30 ml kommt grundsätzlich eine Behandlung mit einem 5-alpha-Reduktase-Hemmer wie Dutasterid (Avodart®) in Frage. Ob die Therapie mit Dutasterid auch langfristig wirkt, wurde jetzt in einer Vier-Jahres-Studie geprüft. Darauf hat Professor Rolf Muschter aus Rotenburg an der Wümme hingewiesen.

In der Studie seien über 4000 Patienten zunächst für zwei Jahre mit 0,5 mg Dutasterid täglich oder Placebo behandelt worden, sagte Muschter auf einer von GlaxoSmithKline unterstützen Veranstaltung in Hamburg. In der Verumgruppe wurden die Beschwerden bereits ab dem ersten Therapiemonat gelindert. Das Prostatavolumen nahm während der Behandlung um durchschnittlich 26 Prozent ab.

Mit Placebo wurden die Symptome kaum gelindert, und das Prostatavolumen blieb konstant. An der sich anschließenden zweijährigen offenen Behandlungsphase haben 2300 Patienten teilgenommen. "Nach insgesamt vier Jahren hatten die durchgehend mit Dutasterid behandelten Patienten ein um 27 Prozent verringertes Prostatavolumen und einen um 2,7 ml / s verbesserten maximalen Harnfluß", so Muschter.

Wer zunächst Placebo eingenommen hatte, erreichte nach Umstellung auf Dutasterid eine Volumenabnahme von 26 Prozent und eine um 1,9 ml / s verstärkte Harnflußrate. "Passend dazu gingen auch die Symptome zurück, allerdings nicht so stark wie bei den Patienten, die Dutasterid für vier Jahre bekommen haben", sagte Muschter.

Er plädiere deshalb dafür, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen, zumal der 5-alpha-Reduktase-Hemmer auch langfristig gut verträglich sei. Unerwünschte Wirkungen seien selten und träten meist nur während der ersten sechs Behandlungsmonate auf, so der Urologe. Eine fortlaufende Therapie verringere auch das Risiko für BPH-Komplikationen wie akuter Harnverhalt oder für eine Op.

Bei der vierjährigen Dutasterid-Therapie trat ein Harnverhalt bei drei Prozent der Patienten auf. Ebenso viele mußten wegen ihrer Beschwerden operiert werden. Bei Patienten, die mit Placebo begonnen hatten, kam es doppelt so häufig zu einem Harnverhalt, und es mußte doppelt so oft operiert werden.

Bei einer Dutasterid-Langzeittherapie muß allerdings berücksichtigt werden, daß der PSA-Wert um etwa 50 Prozent sinkt.

Topics
Schlagworte
Prostata-Hyperplasie (183)
Organisationen
GlaxoSmithKline (1114)
Krankheiten
Prostata-Hyperplasie (166)
Wirkstoffe
Dutasterid (52)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Im Sushi war der Wurm drin

Der Hinweis aufs Sushi brachte die Ärzte auf die richtige Spur. Statt den Patienten wegen Verdachts auf akutes Abdomen zu operieren, führten sie eine Gastroskopie durch. mehr »

Alle wichtigen Videos vom Ärztetag

Digitalisierung, Angst vor Veränderung, Wunschminister: Die Ärztezeitung fasst für Sie die wichtigen Themen des Ärztetags in kurzen Videos zusammen. mehr »

Importierte Infektionen führen leicht zu Diagnosefehlern

Wann muss ein Arzt für eine Fehldiagnose gerade stehen? In einem aktuellen Fall entschied das Oberlandesgericht Frankfurt gegen einen Arzt. mehr »