Urologie

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Modul: Therapie des Testosteronmangels: Testosteronsubstitution – wann und wie?

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Ärzte Zeitung, 09.05.2007

PROSTATAKREBS-PRÄVENTION

Ein tödliches Karzinom lässt sich meist vermeiden

Risiko für ein Prostata-Ca hängt stark von Umweltfaktoren ab / PSA-Test spürt etwa 75 Prozent der Tumoren auf

Männer können einiges tun, damit sie nicht an einem Prostata-Ca sterben: Ein gesunder Lebensstil senkt offenbar das Risiko für die Erkrankung, ebenso eine Therapie mit Finasterid. Und wenn Männer regelmäßig zur Vorsorge-Untersuchung gehen und dabei auch ihren PSA-Wert bestimmen lassen, sind die Chancen gut, ein Karzinom zu erkennen, bevor es gefährlich wird.

Unauffällige Prostata-Sonografie (links). Erst per Elastografie (rechts) ist ein Tumor (dunkle Region, Pfeil) erkennbar. Foto: LP-IT

Ein paar Analysen zur Häufigkeit von Prostata-Karzinomen lassen aufhorchen: In China liegt die Inzidenz bei knapp 2 pro 100 000 Männer, in Deutschland dagegen bei 120 pro 100 000. Das liegt aber offenbar nicht an den Genen: Aus Studien weiß man, dass die Inzidenz bei Asiaten, die in die USA ausgewandert sind, drastisch erhöht ist. Offenbar sind also vor allem Umweltfaktoren für das Tumorrisiko entscheidend. Welche, darüber lässt sich bislang nur spekulieren: Asiaten essen weniger Fleisch, mehr Fisch und verwenden viel Pflanzenöl. Die westliche Ernährung, an die sich auch die asiatischen Einwanderer schnell anpassen, ist dagegen reich an Fleisch und tierischem Fett, aber arm an pflanzlicher Nahrung und ungesättigten Fettsäuren.

Ungesättigte Fettsäuren haben offenbar eine günstige Wirkung

Kleinere Studien scheinen einen Einfluss der Ernährung zu bestätigen: Menschen, die viel Vitamin E, Vitamin D und Phyto-Östrogene, etwa aus Soja, zu sich nehmen, erkranken danach seltener an einem Prostata-Ca. In der großen, prospektiven EPIC*-Studie mit über 500 000 Teilnehmern gab es dagegen keine Hinweise, dass eine pflanzenreiche Kost das Tumor-Risiko reduziert. Immerhin sind die Studienergebnisse etwas konsistenter, was mehrfach ungesättigte Fettsäuren betrifft: Wer viel davon konsumiert, hat offenbar ein reduziertes Risiko für Prostatakrebs.

Interessant könnten Daten der SELECT*-Studie werden. Darin erhalten über 32 000 Männer zwölf Jahre lang entweder täglich 200 µg Selen, 400 mg Vitamin E, beide Substanzen kombiniert oder nur Placebo. Selen gilt aufgrund kleinerer Studien ebenfalls als Kandidat für die Prostata-Ca-Prävention. Ergebnisse werden aber erst in einigen Jahren erwartet.

Gesicherte Erkenntnisse gibt es dagegen zu Finasterid. In der prospektiven PCPT*-Studie mit 19 000 gesunden Männern kam es innerhalb von sieben Jahren mit dem Medikament deutlich seltener zu einem Prostata-Ca als mit Placebo (18 versus 24 Prozent). Von der präventiven Wirkung können etwa Männer profitieren, die aufgrund einer BPH mit Finasterid behandelt werden. Für Dutasterid wird derzeit in der REDUCE*-Studie bei 8000 Männern mit erhöhtem Risiko für ein Prostata-Ca (PSA-Wert über 10 ng/ml) geprüft, ob sich die Tumorinzidenz senken lässt. Ergebnisse werden für 2009 erwartet. Finasterid und Dutasterid blockieren die Umwandlung von Testosteron in den aktiven Metaboliten Dihydrotestosteron. Dieser begünstigt das Wachstum von Prostata-Tumoren.

Auch wenn man bislang wenig gesicherte Erkenntnisse hat, wie man Prostata-Tumoren verhindern kann, so gibt es doch einige Möglichkeiten, sie früh genug zu erkennen. Von den Kassen bezahlt wird derzeit die digitale rektale Untersuchung. Damit lassen sich nach Angaben des RKI jedoch nur zwei bis fünf Prozent der Tumoren erkennen, und davon sind die Hälfte schon so weit fortgeschritten, dass eine kurative Therapie nicht mehr möglich ist.

Mit einem Test auf Prostata-spezifisches Antigen (PSA) lassen sich dagegen 75 Prozent aller Tumoren aufspüren. Allerdings: 10 bis 15 Prozent der Messungen ergeben ein falsch positives Ergebnis, und viele Tumoren wachsen so langsam, dass sie vermutlich nie Probleme bereiten würden. Derzeit wird in zwei kontrollierten Studien mit 74 000 Männern geprüft, ob ein PSA-Screening tatsächlich dazu beiträgt, die Lebenszeit von Männern zu verlängern. Ergebnisse werden 2008 erwartet.

PSA-Test nützt vor allem, wenn man ihn regelmäßig macht

Urologen empfehlen den Test auch jetzt schon als IGeL-Angebot. Ein PSA-Wert unter 10 ng/ml sagt jedoch wenig über das Krebsrisiko aus, so der Urologe Dr. Michael Rauchenwald aus Wien. Entscheidend ist das Verhältnis von freiem zu gebundenem PSA sowie der zeitliche Verlauf der PSA-Werte. Die Messungen bringen also vor allem dann etwas, wenn man sie regelmäßig macht. (mut)

EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. PCPT: Prostate Cancer Prevention Trial.
REDUCE: Reduction by Dutasteride of Prostate Cancer Events.
SELECT: Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial.

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Am 22. Mai geht’s um Krebsfrüherkennung

Um Männer zur Vorsorge zu ermuntern, hat das Unternehmen STADApharm zum 22. Mai die Aktion "Prostata-Tag" ins Leben gerufen. Ärzte können zu dem Tag beim Unternehmen per Fax Service-Materialien bestellen. Dazu gehören ein A1-Plakat, das auf die Vorsorge-Untersuchung aufmerksam macht, Aktionsbroschüren mit dem Titel "Mann sorgt vor" sowie Teilnahmekarten für die Verlosung von 100 kompletten Prostata-Vorsorge-Untersuchungen.

Die Service-Materialien gibt es per Fax unter 0 61 01 / 60 33 80, Infos im Internet zum Prostata-Tag stehen unter unter www.stada.de

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