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Durch die Multimorbidität ergeben sich neue Aufgabenfelder für Apotheker / Beispiel ist das Prüfen von Interaktionen der verordneten Arzneien

KÖLN (run). Der derzeit viel diskutierte demografische Wandel wird auch Konsequenzen für die öffentliche Apotheke haben. Denn im Zuge einer Gesellschaft mit immer mehr alten Menschen gewinnen Betreuungskonzepte bei chronischen Erkrankungen und Multimorbidität an Bedeutung. Gerade im Bereich der Prävention von Interaktionen bieten sich dabei Möglichkeiten zur Kooperation mit Ärzten.

Apotheker können sich in Zukunft außer bei Interaktionen gerade bei älteren Patienten auch als Fachleute positionieren, etwa wenn es um Anwendungserklärungen, die Hilfsmittelversorgung, Wundversorgung oder einen guten Heimservice für Pflegebedürftige geht. Darauf hat Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekervereins Nordrhein, in einem Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" hingewiesen.

Dass gerade bei Interaktionen eine enge Kooperation mit Ärzten nötig sei, verdeutlichten Erhebungen, wonach immerhin ein Viertel aller Krankenhauseinweisungen auf Arzneimittel-Fehleinnahmen oder -Interaktionen zurückzuführen sei. Und das Risiko für solche Ereignisse nehme nun mal zu, wenn viele Medikamente eingenommen werden müssten, altersbedingt die Nierenfunktion nachlasse und der Patient erste kognitive Defizite aufweise.

Im Idealfall könnten sich beide Berufsgruppen ergänzen, so wie es etwa der Barmer Hausarzt-Hausapotheker-Vertrag vorsieht. Denn dabei führen die Apotheken für die eingeschriebenen Patienten PC-gestützte Medikationslisten mit dem Ziel, Interaktionen früh zu erkennen und dem Arzt mitzuteilen. In einem Gespräch lasse sich einerseits klären, ob eine mögliche Interaktion für die derzeitige Therapie überhaupt relevant ist oder aus wichtigen therapeutischen Gründen ganz bewusst in Kauf genommen werden muss, so Preis.

Andererseits erhalte so der Hausarzt auch oft erst die Information über weitere durch einen Facharzt verordnete Arzneien oder eine ungünstige Selbstmedikation. Der Apotheker hat hier einen entscheidenden Vorteil: "Wir wissen, dass je älter Patienten werden, desto eher binden sie sich an eine Apotheke. Bei den über 65-jährigen sind das über 85 Prozent, die im Wesentlichen nur eine Apotheke besuchen", erläutert Preis.

Aus diesem Grund lasse sich gerade bei alten, chronisch kranken Menschen, die viele Arzneien benötigten, sehr gut die Medikation durch einen Apotheker kontrollieren. Kenne ein Arzt die Hausapotheke seines Patienten, könne er bei bettlägerigen Patienten meist auf einen gut eingespielten Heimservice zurückgreifen.

Bei der konstruktiven Kommunikation zwischen Arzt und Apotheker bestehe sicherlich noch Aufholbedarf, räumt Preis ein. Entscheidend für eine gute Kooperation ist seiner Ansicht nach, dass beide Berufsgruppen eine genaue Vorstellung über Schwerpunkte im jeweils anderen Tätigkeitsbereich haben.

"Wenn ein Arzt weiß, dass sich eine Apotheke zum Beispiel besonders auf die Anwendungserklärung von Inhalationssystemen bei Asthma spezialisiert habe, dann kann er in seiner Praxis dafür Zeit und personelle Ressourcen einsparen." Austauschbedarf sieht Preis auch im Bereich der Rabattarzneien: "Nur im engen Dialog kann geklärt werden, welche Präparateoptionen es überhaupt für den jeweiligen Patienten gibt und ob es unter Umständen zu Therapieproblemen kommt, etwa beim Austausch von Schilddrüsen- oder retardierten Morphin-Präparaten."

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