Ärzte Zeitung online, 02.10.2011

Drei bis fünf Stunden Sport pro Woche - und das Brustkrebs-Risiko sinkt

Drei bis fünf Stunden Sport pro Woche - und das Brustkrebs-Risiko sinkt

Zum Start des Brustkrebsmonats 2011 eine wichtige Erinnerung: Vorbeugen ist besser als heilen! Das gilt in ganz besonderem Maße auch für Brustkrebs. Seit langem diskutiert wird die protektive Wirkung eines üppigen Verzehrs von Obst und Gemüse. Die Datenlage hierzu ist aber bislang nicht sehr überzeugend. Einen eindeutigen Schutzeffekt hat hingegen regelmäßige körperliche Aktivität.

Von Ingrid Kreutz

NEU-ISENBURG. Retrospektive Fall-Kontroll-Studien legten nahe, daß ungesunde Ernährung ein Drittel aller Krebserkrankungen in westlichen Ländern verursacht. Inzwischen sind jedoch große prospektive epidemiologische Studien mit eher ernüchternden Ergebnissen veröffentlicht worden.

Ein Beispiel ist die Nurses' Health Study mit mehr als 70.000 Frauen: Bei jenen Teilnehmerinnen, die viel Obst und Gemüse aßen, war die Krebsinzidenz genauso hoch wie bei jenen, die wenig davon verzehrten (J Nat Cancer Inst 2004; 96: 1577).

Ähnliches gilt für eine andere große Studie: EPIC (European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition Study). Hier wurden über 280.000 Frauen aus zehn Ländern 5,5 Jahre lang beobachtet. Bei denjenigen 20 Prozent der Frauen, die viel Obst und Gemüse verzehrten, gab es genauso häufig Brustkrebs wie bei den 20 Prozent der Frauen, die am wenigsten Grünes aßen (JAMA 2005; 293: 183).

Experten raten zur "5 am Tag"-Regel

Etwas Sport - und das Brustkrebs-Risiko sinkt

Mehr Sport bedeutet niedrigere Östrogen-Spiegel und weniger Bauchfett.

© Razvan Chirnoaga / shutterstock

Dennoch raten Ernährungsforscher, auch zum Schutz vor Krebs weiterhin an der berühmten "5 am Tag"-Regel (fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag) festzuhalten. Die Ernährung wird als Krebspräventionsfaktor jetzt nicht mehr isoliert, sondern in einem komplexen Zusammenhang gesehen, etwa mit körperlicher Aktivität.

Denn eine wichtige Krebspräventionsmaxime lautet: Übergewicht vermeiden! Und dies bedeutet, weniger Kalorien zuzuführen und mehr Sport zu treiben.

Die Korrelation zwischen Übergewicht, Sport und Krebs ist auch bei Brustkrebs deutlich erkennbar. Adipöse Frauen mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m2 haben ein doppelt so hohes Mammakarzinom-Risiko wie Normalgewichtige.

Und: Je höher der BMI, desto weniger schützt körperliche Aktivität vor Brustkrebs. So hatten in einer elfjährigen prospektiven Studie mit mehr als 30.000 Frauen nach der Menopause normalgewichtige Teilnehmerinnen (BMI < 25 kg/m2), die regelmäßig schweißtreibenden Sport wie schnelles Joggen, Mountainbiking oder Aerobic machten, ein um 30 Prozent geringeres Brustkrebsrisiko als jene, die nur leicht aktiv waren (Breast Cancer Research 2008; 10: R92).

Übergewichtige Frauen (BMI > 25  kg/m2) schützte der Sport hingegen nicht.

Mehr Sport bedeutet weniger Östrogene

Diskutiert werden dabei Einflüsse auf die Hormonproduktion: Mehr Sport bedeutet weniger Östrogene.

Aus mehreren Studien geht zudem hervor, dass das Bauchfett für entzündliche Prozesse von Bedeutung ist und damit indirekt wohl auch für die Krebsentstehung. So besteht eine hohe Korrelation zwischen Adipositas und dem C-reaktiven Protein.

Regelmäßige körperliche Aktivität bei gleichzeitiger Kalorienrestriktion wirkt sich sowohl auf die Brustkrebsinzidenz als auch auf die Prognose bereits erkrankter Frauen günstig aus. Wer sich regelmäßig bewegt, wird seltener krank und hat bessere Chancen, wieder gesund zu werden, raten Experten.

Quiz für Fachkreise

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Signifikant wird die Risikoreduktion Studien zufolge bei drei bis fünf Stunden Sport pro Woche. Nach Auswertung von etwa 100 klinischen Studien ist das Risiko für Krebs bei sportlich Aktiven um 25 bis 30 Prozent verringert.

Auch erkrankte Frauen profitieren

Auch bei bereits Erkrankten ist bei regelmäßiger körperlicher Aktivität mit einem deutlichen Überlebensvorteil zu rechnen. Kontraindiziert ist ein Bewegungsprogramm allerdings bei Patientinnen mit extremer Erschöpfung oder starker Übelkeit, bei Infekten, Schwindel oder starken Schmerzen. Körperliche Aktivität beeinflusst alle metabolischen Prozesse, lindert die Erschöpfung, stabilisiert den Kreislauf, stärkt die Immunfunktionen und erhält die Muskelmasse, sagt Professor Christine Graf von der Sporthochschule Köln.

Die Frauen fühlen sich fitter und können die Belastungen der Behandlung besser auffangen. Besonders unter einer Chemo- oder Strahlentherapie sollte man vorsichtig beginnen (ein- bis zweimal wöchentlich) und die Intensität langsam, aber stetig steigern.

Empfehlungen zur Tertiärprävention

Brustkrebs-Patientinnen sollten ermutigt werden, sich regelmäßig sportlich zu betätigen. "Das Äquivalent zu drei bis fünf Stunden mäßiggradigem Walking (das entspricht etwa vier bis fünf Stunden Spazierengehen) pro Woche verbessert das rezidivfreie Überleben und das Gesamtüberleben", heißt es in der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Außerdem steigert der Sport die Lebensqualität, die kardiorespiratorische Fitness und die körperliche Leistungsfähigkeit und mindert allgemeine Erschöpfungssymptome (Fatigue).

Und nach aktuellen Studiendaten haben Frauen mit Mammakarzinom jetzt noch einen Grund mehr, auf eine Ernährung zu achten, die reich an Vollkornprodukten, Saaten und Gemüsen ist (JCO 2011; online 6. September). Denn so können sie sich ausreichend mit Lignanen versorgen. Und diese verringern bei Frauen mit Brustkrebs nach den Wechseljahren das Sterberisiko sowie das Risiko, Metastasen oder Zweittumoren zu entwickeln, um bis zu 40 Prozent. Signifikant war das Ergebnis aber nur für die Gruppe der Östrogenrezeptor-negativen Tumoren.

Empfehlungen der AGO unter www.ago-online.de.

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