Ärzte Zeitung online, 24.05.2011

Blitz-Umfrage: EHEC ist in den Praxen angekommen

Blitz-Umfrage: EHEC ist in den Praxen angekommen

Die jüngsten Erkrankungen mit dem gefährlichen Darmkeim EHEC macht sich auch in Arztpraxen bemerkbar. Einige Niedergelassene berichten von Verdachtsfällen. In vielen Fällen hilft vor allem aber Beruhigung. Eine Blitz-Umfrage der "Ärzte Zeitung".

PAHLEN/BERLIN/BREMEN (ger/ami/ava/cben). In Landarztpraxen in Schleswig-Holstein ist die Besorgnis wegen der EHEC-Welle durchaus spürbar: "Merken tun wir das schon", sagt Dr. Reimar D. Vogt, Allgemeinarzt in Pahlen/Dörpling an der Eider.

Normalerweise kämen Patienten wegen Durchfalls nur dann in die Praxis, "wenn sie einen gelben Schein brauchen", so Vogt weiter. Jetzt sei das Bedürfnis, die Erkrankung abzuklären, höher.

Viele seien "teilinformiert, wir müssen daher viel Aufklärung leisten". Die persönliche Bindung helfe aber bei der Beruhigung der Patienten. Von 55 Patienten am Dienstag Vormittag seien vier Durchfallerkrankungen gewesen, also keine ungewöhnliche Häufung für die Jahreszeit.

Er gehe bei der Diagnostik jetzt aber auf Nummer sicher: "Bei allen lasse ich eine Stuhlprobe untersuchen, bei Patienten, denen es besonders schlecht geht, nehmen wir auch eine Blutprobe." Er habe aber noch keinen Fall melden müssen.

Viele glaubten aufgrund der Berichterstattung ja, dass der Arzt bei einer EHEC-Erkrankung eine Art "Wunder-Antibiotikum" verordne, und dann sei das ganz schnell weg, so Vogt weiter.

Dabei trete EHEC ohne Komplikationen zunächst wie eine ganz normale Magen-Darm-Grippe auf und werde auch genauso behandelt. Viele Patienten hätten im Laufe ihres Lebens sicher schon eine EHEC-Erkrankung gehabt, ohne es zu merken.

Unbesorgt in Berlin, Brandenburg, Hessen und Baden-Württemberg

Hausärzte aus Berlin und Brandenburg berichten von vermehrten Magen-Darm-Infekten, die jedoch bisher alle harmlos verliefen. Allgemeinmedizinerin Dr. Karin Harre aus Walsleben bei Neuruppin hat noch keinen Patienten mit Blut im Stuhl gehabt.

Allgemeinmedizinerin Dr. Gabriele Stempor aus Berlin-Marzahn berichtet, dass dort seit kurzem wieder ein Magen-Darm-Virus grassiert. Deshalb hatte sie erwartet, dass die Patienten durch die Berichterstattung zu EHEC verunsichert in die Praxis kommen würden.

Bisher hat sie jedoch noch keine Anfragen besorgter Patienten. Der Hausarzt-Internist und HIV-Spezialist Dietmar Schranz aus Berlin-Charlottenburg war ebenfalls noch nicht mit Anfragen von Patienten konfrontiert. "Bisher ist alles noch ruhig", sagt er.

Relativ ruhig ging es am Dienstag auch in hessischen Praxen zu. Der Allgemeinmediziner Dr.Wilhelm Gimbel aus Borken in Nordhessen hat zum Beispiel nur einen Patienten mit leichtem Magen-Darm-Infekt behandelt.

Anrufe habe es keine gegeben. Allerdings, so Gimbel, habe die örtliche Tageszeitung erst am Dienstag über die EHEC-Infektionen berichtet. Erfahrungsgemäß kommen die Patienten dann in den folgenden Tagen mit Fragen zu ihm.

Auch in Hemsbach in Nordbaden ist die Lage entspannt. In der vergangenen Woche sei eine Welle von Durchfallerkrankungen ausgelaufen, zurzeit habe er gar keine Patienten mit Magen-Darm-Grippe, berichtet Allgemeinarzt Dr. Peter Schlüter auf Anfrage. Auch Anfragen in Richtung EHEC gebe es keine bisher. Das sei eigentlich ungewöhnlich bei solchen Erkrankungswellen, so Schlüter.

Drei Verdachtsfälle im Notdienst

Von nervösen Patienten berichtet Dr. Cai Hildebrand aus Fischerhude bei Bremen: Im Notdienst in der Nacht zum Dienstag habe er drei Verdachtsfälle auf EHEC gehabt, jedoch mit eher unverdächtigen Symptomen.

Andere Hausärzte aus Bremen und dem Bremer Umland haben noch keine Patienten mit Verdacht auf EHEC in der Praxis gehabt. Dr. Ralf Kampmann aus Verden an der Aller sagte der "Ärzte Zeitung": "Bei uns hat sich im Hinblick auf EHEC nichts getan. Die Patienten sind auch nicht unruhiger als sonst."

Die gleiche Erfahrung hat Diplommedizinerin Steffi Lange aus der Hausarztpraxis Wagenknecht in Varel am Dienstag gemacht: Uns ist noch kein Fall von EHEC untergekommen." Dr. Holger Schelp aus Bremen berichtet von einem älteren Herrn, der gefragt habe, ob er die Milch nun abkochen müsse.

[25.05.2011, 08:41:26]
Dr. Peter M. Schweikert-Wehner 
EHEC
Nur weil in dem Artikel Antibiotika erwähnt wurden hier ein Zitat:

Mit Ehec infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen, warnt der Infektiologe Thomas Schneider von der Berliner Charité: "Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte freigesetzt." Das könne den Krankheitsverlauf verschlimmern.

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