Ärzte Zeitung online, 29.05.2011

Nephrologe: Warnungen vor EHEC sind keine Panikmache

Nephrologe: Warnungen vor EHEC sind keine Panikmache

HANNOVER (dpa). Der Nephrologe Privatdozent Jan Kielstein aus Hannover empfindet die Warnungen vor den EHEC-Bakterien nicht als überzogen. Kritik von Landwirten an der Informationspraxis von Behörden und Medizinern könne er nicht teilen.

"Es sind natürlich alle sehr verunsichert, wie mit einer solchen Situation umzugehen ist", sagte der Nierenspezialist von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Samstag der dpa.

Nach der Schweinegrippezeit bestehe heute der Hang zu eher vorsichtigen Warnungen, da die Bevölkerung die Ausbreitung damals als nicht so dramatisch wahrgenommen habe. "Daraus aber eine große Zurückhaltung zu entwickeln, was Warnungen angeht, wäre sicherlich falsch."

Kielstein: "Ich finde es ist keine Panikmache. In dieser Zeit sind die Menschen nur wenig empfänglich für Zwischentöne. Auch die Medien wollen viele feine Nuancen nicht hören." Es sei aber angebracht, vor dem Verzehr von Rohkost zu warnen und die Bevölkerung aufzuklären.

"Ich wünschte mir jedoch lieber eine Kampagne gegen "Killer-Zigaretten" als gegen "Killer-Keime"", schränkte er ein. Zudem müsse auch betont werden, dass sich die meisten Menschen in Deutschland nicht mit EHEC infizieren werden.

Für die gegenwärtige rasante Ausbreitung der blutigen Durchfallerkrankung ist nach Ansicht des Experten eine Mutation im Erbgut des Bakteriums verantwortlich. "Wir haben hier eine Art Neumutation", sagte Kielstein.

Es sei zwar nicht nachgewiesen, dass die seltene Variante die Ursache ist, "aber immer wenn sich im Bakterium etwas messbar ändert, dann ist bis zum Beweis des Gegenteils zu vermuten, dass dies eine Rolle spielt." Durch Mutationen im Erbgut kann sich zum Beispiel die Lebensdauer von Bakterien erhöhen.

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[30.05.2011, 16:14:34]
Dr. Horst Grünwoldt 
Warnung vor dem "Killerkeim EHEC"?
Es scheint wieder mal zyklisch die Stunde der Mikrobiologen (Burger u.a.) und Seuchenexperten gekommen: raus aus dem Labor - rein in die Fernsehstudios mit den aberwitzigen Warnungen vor dem "Ausbrechen und sich Verbreiten" von "Killerkeimen und Killerviren" und dem "Kampf gegen den unsichtbaren Feind" an der Medienfront (und sogar an der Gurke!)
Was für ein verantwortungsloser Quatsch mit der höchstamtlichen Warnung (RKI), keine (gewaschenen) Tomaten und Gurken zu essen! Schließlich entsteht damit der volkswirtschaftliche Schaden nicht nur für die Gemüsebauern und Händler, sondern zugleich auch noch der gesundheitliche für die Verbraucher. Der Mangel an vitamin- und pektinreicher Rohkost in Verbindung mit dem einseitigen/übermäßigen Konsum von Fleisch- und Wurstwaren ist sowieso hauptverantwortlich mit für die (sitzende) Entstehung von Haemorhoiden und späterem (ausgesessenen) Darmkrebs in unserer übergewichtigen Autofahrer- und Büromenschen-Gesellschaft.
Gegen den Verzehr von gewaschenen Tomaten und Gurken ist nun überhaupt nichts einzuwenden, insbesondere wenn die schwerverdauliche Gurkenschale entfernt wird und der Salat dann auch noch lecker und verdauungsfördernd mit Essig und Öl (Vinegraitte) angerichtet wird. Damit wird die wertvolle Rohkost auch noch von dem vorletzten EHEC- oder sonstigen vegetativen Keim dekontaminiert, weil nicht desinfiziert werden muß (wie bei der intakten Tomate und Gurke ), was nicht in-fiziert sein kann! Nach meiner langjährigen Tropenerfahrung schützt eine solche Zubereitung sogar vor einer sonst möglichen Amöben-Infektion. Mit meinem regelmäßigen Natur-Joghurt-Verzehr habe ich der berüchtigten Reisediarrhoe in fernen Ländern dauerhaft vorgebeugt.
Wer nimmt die verantwortlichen Angst-, Chaos- und Panikmacher für Ihre angerichteten psychischen, körperlichen und materiellen Schäden eigentlich in Regreß? Jedenfalls dürfen staatliche (Experten-) Warner bei einzelnen Krankheits- und Todesfällen in einem 80-Millionen Volk nicht unangemessen Epidemien (gr. "über dem Volk die Seuche") ausrufen. Wofür unterhalten wir eigentlich neben dem RKI und FLI ein Bundes-Institut für (angemessene)Risiko-Bewertung? Wer jedes Mal den fiktiven "worst case" erklärt, geht natürlich überhaupt kein persönliches Risiko ein, jemals eine reale Gefahr unterschätzt zu haben! Dr. med. veet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und Mikrobiologie) aus Rostock (früher Frankfurt am Main) zum Beitrag »

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