Ärzte Zeitung online, 03.06.2011

Antikörper gegen EHEC - Erfolge erst in einigen Wochen

Die Zahl der EHEC-Infizierten steigt weiter, ein weiterer Todesfall wurde bekannt. Experten sehen allerdings eine deutliche Entspannung. Ärzte setzten in schweren Fällen auf den Antikörper Eculizumab. Ob er wirkt, wissen sie jedoch noch nicht. Lob gibt es indes für die Hausärzte.

Antikörper gegen EHEC - Erfolge erst in einigen Wochen

Kunzendorf, Stahl und Brunkhorst am Freitag in Hamburg: "Wir müssen diese Patienten durch die schwere Zeit bringen."

© dpa

HAMBURG (cben/nös). Er ist die Hoffnung vieler Ärzte: der monoklonale Antikörper Eculizumab. Er soll denjenigen Patienten helfen, die nach einer EHEC-Infektion schwere Verläufe des hämolytisch-urämischen Syndroms, kurz HUS, entwickelt haben.

Viele Kliniken setzten ihn seit zwei Wochen in schweren Fällen ein. Das Problem: Es gibt nur wenig Erfahrung mit dem Antikörper bei HUS - der Einsatz erfolgt als Off-label-use. Bei der Therapie tappen die Ärzte noch weitgehend im Dunkeln.

Antikörper gegen EHEC - Erfolge erst in einigen Wochen

Ein kleines Fläschchen sorgt für Hoffnung: Der Antikörper Eculizumab.

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Die Mediziner, allen voran von den großen Unikliniken im Norden, etwa Kiel, Hamburg und Hannover, tragen jetzt ihre Erfahrungen aus den aktuellen Fällen zusammen. Doch bis sie abschätzen können, ob der Antikörper hilft, werden wohl noch einige Tage vergehen.

"Wir haben bisher kein eindeutiges Bild", sagte Professor Reinhard Brunkhorst am Freitag in Hamburg. Weder könne man derzeit Prognosen zu den positiven Effekten noch zu den Nebenwirkungen abgeben, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).

"Wir sind therapeutisch auf einem großen Versuchsfeld", sagte auch Professor Ulrich Kunzendorf, Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten am Uniklinikum Kiel. Weder Eculizumab (Soliris®), noch die Plasmapherese seien in ihrer Wirkung bei HUS bisher in großen randomisierten Studien untersucht worden.

Kunzendorf: "Es mag eine Tendenz zur Besserung unter dem Antikörper geben. Aber dass ganz schnell innerhalb von wenigen Tagen alle Patienten geheilt sind, das ist sicher nicht so."

Die Ärzte sprechen daher von "Heilversuche". Professor Hermann Haller, Leiter der Nephrologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sagte: "Manche Patienten sprechen darauf an, manche Patienten sprechen verzögert an, manche sprechen gar nicht darauf an."

In einigen Wochen aber, so waren sich die Nierenspezialisten am Freitagmorgen sicher, könne man erste Ergebnisse haben. Professor Rolf Stahl, Nephrologe am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), betonte: "Primär müssen wir uns jetzt darum kümmern, die Patienten durch diese sehr schwierige Zeit zu bringen."

Lob erhielten indes die niedergelassenen Ärzte von den Klinikern: "Die Hausärzte leisten bei der Versorgung von EHEC-Patienten Beeindruckendes", sagte Kunzendorf.

Zwar kommen die meisten Patienten mit Durchfallerkrankungen direkt in die Notaufnahmen der Kliniken. "Aber die Hausärzte machen zum Beispiel sorgfältige Eingangsscreenings insbesondere bei Patienten, die vermutlich harmlos erkrankt sind".

In Deutschland ist laut DGfN-Präsident Brunkhorst derweil von weit mehr als 1000 EHEC-Erkrankten auszugehen, von denen über 500 an einem HUS leiden. Allein in Kiel werden täglich zwischen sieben und neun neue Patienten mit Verdacht auf EHEC eingeliefert, berichtete Kunzendorf.

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