Ärzte Zeitung, 07.06.2011
Kommentar
EHEC - der Keim des Anstoßes
Von Florian Staeck
Das ist er - der nächste proklamierte Skandal. Der politische Betrieb verlangt angesichts der unübersichtlichen Situation bei den EHEC-Ausbrüchen nach Schuldigen. Mal meint man im Robert Koch-Institut den vermeintlichen Bremser in der Krisenkoordination zu entdecken, mal versagt in den Augen der Opposition die Bundesregierung jämmerlich.
Ob EHEC, BSE, Schweinegrippe - oder wie immer die Erreger der Zukunft heißen: Infektionswellen richten sich nicht nach abgezirkelten Zuständigkeiten, Checklisten oder Krisenstäben. Jede Epidemie hat bisher das komplexe Geflecht von Bund-Länder-Zuständigkeiten einem Stresstest unterworfen.
Da sind zwei Bundesministerien mit konkurrierenden Zuständigkeiten, je nach Lage mehrere Bundesoberbehörden sowie 16 Länder mit je eigenen Verwaltungstraditionen. Dies zu beklagen in einem föderalen Staat wie Deutschland ist wohlfeil. Ob stärker zentralstaatlich organisierte Länder tatsächlich besser auf solche Ausbrüche reagieren, ist fraglich.
Die Informationslage zu EHEC ist nun einmal komplex. Wer nach einfachen Lösungen ruft, bekommt am Ende nur bunte Fernsehbilder und Krisenbewältigungs-Rhetorik bei - politisch folgenlosen - "Spitzentreffen".
Alle Berichte und Hintergründe zur EHEC-Welle 2011

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