Ärzte Zeitung online, 28.06.2011

Schule nach EHEC-Ausbruch geschlossen – aggressiver Erreger auch in Frankreich

Nach EHEC-Erkrankungen an einer Schule im ostwestfälischen Altenbeken haben die Behörden die Schule für eine Woche geschlossen. Die Experten rätseln, wie sich die Schüler infizierten. Unterdessen stieg die Zahl der Toten weiter an. Wie Experten herausfanden, war der aggressive EHEC-Keim nicht nur für die Epidemie in Deutschland, sondern auch für den Ausbruch in Frankreich verantwortlich.

Schulfrei wegen EHEC

Drei Schüler einer Altenbeker Schule im Alter von acht bis elf Jahren sind an EHEC erkrankt. Die Behörden haben die Schule dicht gemacht.

© HZI/dpa

PADERBORN (ths/dpa). Drei Schüler einer Altenbeker Schule im Alter von acht bis elf Jahren sind an EHEC erkrankt. Die Behörden haben deswegen die Schule dicht gemacht.

Diese Entscheidung sei mit dem Robert-Koch-Institut und den zuständigen Landesbehörden abgestimmt, teilte der Kreis Paderborn am Montag mit..

An HUS erkrankt

An der Grundschule hatten sich Mitte Juni drei Jungen im Alter von acht bis elf Jahren mit dem Darmkeim des aggressiven Stamms O104:H4 angesteckt und waren am lebensgefährlichen HUS erkrankt.

Nachdem auch bei drei Mitarbeiterinnen der Essensausgabe in der Schule und bei einem Beschäftigten eines Caterers in einem ersten Test EHEC-Bakterien nachgewiesen worden waren, entschlossen sich die Behörden zur Schulschließung.

Diese vorsorgliche Maßnahme sei auch mit Blick auf die Sorgen der Eltern erfolgt, sagte Landrat Manfred Müller laut Mitteilung. Andere Kinder seien nicht erkrankt.

Ansteckung auf Schultoilette?

Wie sich die drei Schüler angesteckt haben, ist noch nicht geklärt. Denkbar sei eine Infektion über belastete Lebensmittel, aber auch eine Ansteckung auf der Schultoilette über eine sogenannte Schmierinfektion könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Georg Alles.

Die Mitarbeiter der Essensausgabe und des Caterers sind nicht erkrankt. Den drei Jungen geht es nach Angaben des Kreises inzwischen besser.

EHEC-Erreger in Frankreich und Deutschland identisch

Die EHEC-Keime, die den Ausbruch in Frankreich verursacht haben, sind identisch mit den Erregern der Epidemie in Deutschland. Auch in Frankreich sei der aggressive Erreger O104:H4 nachgewiesen worden, sagte Jürgen Thier-Kundke, Sprecher des Bundesinstituts für Risikobewertung, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Schlüsse auf eine Quelle ließen sich aber daraus nicht ziehen. „Das wäre pure Spekulation. Alle Pfade, die denkbar sind, sind noch offen“, betonte Thier-Kundke.

Sprossensamen, die in Frankreich mehrere EHEC-Fälle ausgelöst haben sollen, stammen nach französischen Regierungsangaben aus Großbritannien. Im Raum Bordeaux waren zehn Menschen erkrankt, nachdem sie Sprossen von Senf, Bockshornklee und Rucola gegessen hatten.

Bei zwei Patienten seien EHEC-Keime des aggressiven Stamms O104 gefunden worden, hatte die regionale Gesundheitsbehörde mitgeteilt.

47 Totein Deutschland

In Deutschland gibt es rund drei Wochen nach den ersten Warnungen vor Sprossen immer noch weitere EHEC-Todesfälle. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtete, sind mittlerweile 47 Menschen an EHEC gestorben. Seit dem vergangenen Freitag (24. Juni) seien 96 weitere Erkrankungen mit EHEC und vier weitere mit Hämolytisch Urämischem Syndrom (HUS) gemeldet worden, so das RKI.

Insgesamt sind dem RKI jetzt 3063 EHEC- und 838 HUS-Fälle übermittelt worden, 47 der Betroffenen sind gestorben. Seit Mitte Juni werden Erkrankungen an HUS/EHEC auf deutlich niedrigerem Niveau als zuvor übermittelt, berichtet das RKI.

Das Institut weist zudem darauf hin, dass HUS-Symptome erst etwa sieben Tage nach Beginn des Durchfalls beginnen. Ausländische Patienten mit HUS oder EHEC wurden bislang aus mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie aus der Schweiz, aus Kanada und den USA gemeldet. Bei allen diesen Patienten ist ein Bezug zu Deutschland bekannt.

Streit um EHEC-Folgekosten geht weiter

Unterdessen geht der Streit um die Finanzierung der Folgekosten von EHEC für Kliniken weiter. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft reagierte "mit völligem Unverständnis" auf die Ankündigung der Ersatzkassen, sich nicht an den Kosten der Epidemie beteiligen zu wollen.

Dies sei unverständlich, da die Kassen in Hamburg bereits ihre Bereitschaft erklärt hätten, die Sonderbelastungen der Kliniken zumindest teilweise zu übernehmen, sagte Gerhard Kilian, Vorsitzender der Landes-Krankenhausgesellschaft.

Auf Kompensation zugunsten von Gemüsebauern nicht nur durch die EU, sondern auch durch den Bund drängen zudem die Agrarminister mehrerer Bundesländer. Wenn die von der EU veranschlagten Mittel von 210 Millionen Euro nicht ausreichen, müsse es nationale Beihilfe geben.

Lesen Sie alle Berichte und Hintergründe in unserem Special zur EHEC-Welle.

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