Ärzte Zeitung online, 04.07.2011

EHEC beschäftigt jetzt die Staatsanwälte

EHEC und kein Ende: Während die Seuchenschützer vom Robert Koch-Institut dem Ende der Epidemie entgegensehen, hat bei Paderborn ein Massentest begonnen. Der Verdacht auf Sprossen erhärtet sich, nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.

EHEC beschäftigt jetzt die Staatsanwälte

Untersuchung im Labor: Im Landkreis Paderborn sollen jetzt 800 Stuhlproben unter die Lupe genommen werden.

© dpa

NEU-ISENBURG (nös). Die EHEC-Epidemie neigt sich dem Ende zu - mit knappen Worten beschreibt das Robert Koch-Institut (RKI) die jüngsten Entwicklungen bei den Neuinfektionen mit dem E. coli vom Typ O104:H4.

Ungeachtete des bundesweiten Trends ist am Montag im Landkreis Paderborn eine Massenuntersuchung angelaufen. Dort sollen in den kommenden Tagen rund 800 Menschen Stuhlproben abgeben, darunter 500 Kinder aus 25 Schulen und Kindergärten.

18 Kinder eine Grundschule wurden positiv auf EHEC getestet

In der vergangenen Woche waren in der Kleinstadt Altenbeken bei Paderborn 18 Kinder einer Grundschule positiv auf den derzeitigen EHEC-Keim getestet worden. Drei von ihnen waren an dem hämolytisch-urämischen Syndrom erkrankt und werden stationär behandelt. Eines der Kinder konnte bereit wieder entlassen werden.

Die Grundschule, an der die Fälle aufgetreten waren, wurde am vergangenen Montag (27. Juni) bis zum Dienstag (5. Juli) gesperrt. Die Kreisbehörden wollen nun entscheiden, ob die Sperrung weiter aufrecht erhalten werden soll.

Das RKI hatte die Schließung der Schule laut Angaben des Landkreises zunächst nicht für notwendig erachtet.

Kunden eines Essenslieferanten müssen Stuhlproben abgeben

Parallele Nachforschungen hatten ergeben, dass der Keim womöglich über den Essenslieferanten, eine Fleischerei in Bad Lippspringe, eingeschleppt wurde. Auch die Mitarbeiter müssen nun Stuhlproben abgeben. Der Kreis hat gegen den Betrieb ein vorläufiges Arbeitsverbot ausgesprochen.

Der Caterer bietet auch "Essen auf Rädern" an. Nun sollen auch diese Kunden Stuhlproben abgeben.

Derweil bestätigte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium, dass aus Ägypten importierte Bockshornkleesamen auch an den Biohof in Bienenbüttel geliefert wurden. Anhand eines Erkrankungsclusters bei Bordeaux konnten Experten jüngst dieses Saatgut als hauptverdächtig identifizieren.

Der Biohof in Niedersachsen wiederum gilt bei dem Ausbruch in Deutschland als eine, wenn nicht die Quelle für kontaminierte Sprossen. Laboranalysen waren bislang allerdings negativ.

Anzeige gegen Geschäftsführer eingegangen

Gegen die Geschäftsführer des Betriebs wurde unterdessen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg erstattet. Berichte, wonach es bereits ein Ermittlungsverfahren gebe, wies eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der "Ärzte Zeitung" als "unglücklich" zurück.

"Derzeit prüfen wir den Verdacht, wir sind bei den Vorermittlungen", sagte sie. In der Anzeige, die laut Medienberichten von einem Juristen aus Münster erstattet wurde, wird auch der Verdacht der "fahrlässigen Tötung" erhoben.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies. "Wir schauen aber in alle Richtungen."

Lesen Sie dazu auch das Update:
EHEC-Sprossen - Experten erhärten Spur an den Nil

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