Ärzte Zeitung online, 15.11.2011

EHEC-Kosten: Bremer Kassen glauben Kliniken nicht

Kassen und Kliniken in Bremen streiten über EHEC-Kosten

Zoff um EHEC-Kosten in Bremen: Die Kliniken fürchten, über eine Million Euro Kosten nicht erstattet zu bekommen. Der Grund: Die Kassen sind sich sicher, dass die Zahlen der Kliniken falsch sind.

BREMEN (cben). Harter Streit um EHEC-Kosten. Die Bremer Krankenhausgesellschaft (HBKG) will den Krankenkassen des Landes 1,3 Millionen Euro zusätzlich für die Versorgung der Bremer EHEC Patienten in Rechnung stellen. Die Kassen zweifeln an den Zahlen.

Laut Uwe Zimmer, Geschäftsführer der HBKG, seien fünf Bremer Kliniken an der Versorgung der infizierten Patienten beteiligt gewesen.

"Wir haben alle Einnahmen aus DRGs und Zusatzentgelten mit den tatsächlichen Versorgungskosten für die 251 in Bremer Kliniken behandelten EHEC-Patienten abgeglichen", sagt Zimmer.

Bislang nur zwei Millionen vergütet

"Das Ergebnis: Von den 3,3 Millionen Euro Gesamtkosten bekommen wir nur zwei Millionen Euro vergütet." Die Zusatzkosten seien vor allem durch Überstunden des Personals und die Kosten der Isolierung aufgelaufen, hieß es.

Im Frühsommer waren laut Robert-Koch-Institut 4320 Menschen an dem lebensgefährlichen EHEC-Darmkeim erkrankt. 53 Menschen starben in Deutschland laut RKI an den Folgen der Infektion. 

Bereits im September 2011 habe die HBKG die Kassen zu Verhandlungen über die finanziellen Folgen bei den Krankenhäusern aufgefordert: "Aber die AOK sah keinen Verhandlungsbedarf und gab keine Zusagen", sagt Zimmer.

Zahlen der Kliniken falsch?

Jörn Hons, Sprecher der Bremer Kassen, erklärt: "Nach unseren Erkenntnissen sind die Zahlen der HBKG falsch."

Die Zahl der versorgten EHEC-Patienten könne bei der Hälfte der angegebenen Menge liegen. "Wie die HBKG auf 251 Fälle kommt, ist für uns nicht nachvollziehbar", sagt Hons.

Tatsächlich haben die einzelnen Häuser ihre Daten auch noch an die Kasse übermittelt "Wir haben zunächst die Gesamtsumme vorgetragen und um Verhandlungen gebeten", so Zimmer.

Finanzierungsrecht klarstellen

Nach der Ablehnung der Kasse würden auch die einzelnen Häuser "keine Daten mehr übermitteln, weil ja nicht verhandelt werden soll", so Zimmer.

Die HBKG rät ihren Krankenhäusern gleichwohl, ihre Forderungen weiter zu verfolgen und verlangt zugleich in einem Brief an die Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) eine gesetzliche Klarstellung im Krankenhausfinanzierungsrecht.

Ende Juli hatte das RKI die EHEC-Epidemie für beendet erklärt, nachdem drei Wochen lang kein neuer Erkrankungsfall gemeldet worden war. 

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