Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

EHEC wird zum Schadenersatz-Fall

EHEC wird zum Schadenersatz-Fall

HAMBURG (dpa). Wegen der Warnung vor spanischen Gurken in der EHEC-Krise hat ein spanischer Gemüseproduzent nach Informationen der Zeitung "Die Welt" Klage gegen die Stadt Hamburg eingereicht.

Die Firma Frunet fordert den Angaben zufolge insgesamt 2,3 Millionen Euro Schadenersatz, weil Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) im Frühjahr 2011 nach ersten Laborergebnissen vor dem Verzehr spanischer Gurken gewarnt hatte.

Auch der Name der Herstellerfirma Frunet war damals genannt geworden. Nach dem Bericht prüft auch eine zweite Firma in Spanien eine entsprechende Klage. Die Hamburger Gesundheitsbehörde bestätigte den Eingang der Frunet-Klage der Nachrichtenagentur dpa.

Verschiedene Laboruntersuchungen während der EHEC-Epidemie hatten Indizien geliefert, dass die lebensgefährliche Infektionskrankheit möglicherweise durch Erreger auf spanischen Gurken ausgelöst worden sein könnte.

Später hatte sich herausgestellt, dass der EHEC-Keim auf Bockshornkleesamen saß, die ein Hof in Niedersachsen aus Ägypten bezogen hatte.

Wie die "Welt" weiter berichtet, sieht man in der Gesundheitsbehörde der Klage gelassen entgegen. "Wir sind da mit uns im Reinen", sagte Behördensprecher Rico Schmidt dem Blatt.

"Es gab diesen Befund, und der ist nicht nur durch uns festgestellt worden, sondern auch durch andere Labore. Wir haben genau das gemacht, wozu wir verpflichtet sind."

[23.12.2011, 15:02:59]
Dr. Horst Grünwoldt 
Gurken-Warnung
Recht haben die spanischen Gemüsebauern mit dem Warnschuß gegen unheilvoll ausgerufene sog. Seuchengefahren deutscher Behörden, die jedweder epidemio- und infektiologischer Realität widersprechen.
Da wird sogar die abgenutzte Redensart vom "vorbeugenden Verbraucherschutz" nach m.E. mißbraucht.
Jedenfalls -wie auch schon dem RKI von verschiedener Seite vorgeworfen wurde- bestand im EHEC- Fall des Frühsommers 2011 zu keiner Zeit eine reale Infektionsgefahr durch den Verzehr von Salatgurken irgend eines Anbaugebiets.
Daß auch auf der Schale von Treibhaus- oder Feldgurken, die durch menschliche Hände gegangen sind, gelegentlich irgendwelche Colibakterien nachgewiesen werden können, ist völlig normal.
Da würde schlicht der allgemein- und lebensmittelhygienische Verbaucher-Hinweis genügen, daß die Früchte vor dem rohen Verzehr in jedem Fall abzuwaschen und die Gurkenschale (wg. ihrer schweren Verdaulichkeit) sowieso entfernt werden sollte.
Schließlich kann eine Gurke oder irgend ein Melonengewächs überhaupt nicht mit Colikeimen "infiziert" (sondern lediglich äußerlich kontaminiert) sein, es sei denn ein Verrückter hätte den Früchten eine Injektion mit einer Bakterienkultur "einverleibt".
Die verantwortlichen Seuchen-Experten der WHO, RKI und FLI bleiben nach EHEC-"Epidemie", Vogel- und Schweinegrippe in der Pflicht, bei der amtlichen Verkündung von Infektionsgefahren ebenfalls nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit den Politikern Entscheidungshilfe für angemessene Maßnahmen zu liefern und praktische Aufklärung (und niemals Verängstigung) unserer Massen- Verbraucher- Gesellschaft zu leisten.
Dazu gehört auch, daß die unabhängigen Fachleute national-staatlicher oder internationaler Oberbehörden auf dem Gebiet des Infektionsschutzes aufgrund ihres Wissens in jedem Einzelfall -von zunächst fiktiven Gefahren- "Augenmaß" zwischen gesundheitlichen Warnungen und volkwirtschaftlichen Schäden walten lassen.
Dies ist besonders im vorliegenden Schadenersatzfall "Gurken-Skandal", wie auch im zurückliegenden "Grippe-Impfstoff-Skandal" jedenfalls nicht gelungen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene und MIkrobiologie) aus Rostock zum Beitrag »

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