Ärzte Zeitung online, 20.10.2011

Begehrter Galenus-Preis vergeben

Der Galenus-von-Pergamon-Preis für Arznei-Innovationen ist heiß begehrt - jetzt wurde er erneut verliehen. Bei der Gala am Donnerstagabend lobte die Bundesforschungsministerin die herausragenden Forschungsleistungen.

Galenus-Preisverleihung während der Springer Medizin-Gala.

© Full of Grace

BERLIN (eb/ple). Erneut hieß es: "Vorhang auf für die Galenus-von-Pergamon-Preisträger". Am Donnerstagabend wurde der heiß begehrte Preis exzellente Arzneiforschung im Berliner Adlon verliehen.

In der Kategorie Primary Care setze sich der Antikörper Denosumab (Prolia®) von Amgen und GlaxoSmithKline durch. Der Jury würdigte den ersten monoklonalen Antikörper, der zur gezielten Osteoporosetherapie eingesetzt wird.

"In diesem Jahr war es schwierig, eine Entscheidung zu fällen", so der Jury-Präsident und Kardiologe Professor Erland Erdmann aus Köln bei der Bekanntgabe des Gewinners in der Kategorie Primary Care während der Gala gestern Abend in Berlin.

Keine einfache Frage: Was ist innovativ?

Es sei nicht so einfach die Frage zu beantworten, was tatsächlich in der Pharmaforschung innovativ ist. Letztlich hätten die Jury-Mitglieder aber mit "überwältigender Mehrheit" entschieden, das Medikament Prolia® von Amgen und GlaxoSmithKline solle den ersten Preis in dieser Kategorie erhalten.

Durch das Medikament würden mehr Patienten mit Osteoporose von der Therapie profitieren, als dies mit bisherigen Medikamenten der Fall ist. Die Entscheidung in der zwölfköpfigen Jury sei fast einstimmig gefallen.

Professor Winand Lange, Executive Medical Director von Amgen: "Ich denke, wir und alle unsere Mitarbeiter können sehr stolz auf diese Auszeichnung sein. Hinter diesem Produkt stehen jahrzehntelange Erfahrungen. Viele tausend Mitarbeiter bei Amgen haben daran mitgearbeitet." Er hoffe, dass der Erfolg jetzt auch den Patienten verstärkt zugutekommen wird.

"Das neue Prinzip hat uns beeindruckt"

Überzeugt in der Kategorie Specialist Care hat die Jury das Fusionsprotein, auch als Peptibody bezeichnet, Romiplostim (Nplate®) von Amgen. Das Stimulanz zur Thrombozytenbildung ist zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit einer chronischen Immun-(idiopathischen)-thrombozytopenischen Purpura (ITP).

Erdmann: "Wir haben in der Jury viel darüber diskutiert, welcher der fünf Kandidaten das innovativste Präparat ist." Mit Romiplostim werde im Gegensatz zur bisherigen Behandlung bei chronischer thrombozytopenischer Purpura , etwa mit Kortison, das Immunsystem nicht unterdrückt, sondern die Bildung der Blutplättchen stimuliert.

"Dieses neue Prinzip hat uns beeindruckt", betonte Erdmann in seiner Begründung. Lange, der, wie er sagte, bereits 1996 an der Freiburger Klinik mit der Vorläufersubstanz von Romiplostim an einer Studie teilgenommen hatte: "Es macht uns richtig stolz, dass wir gleich zweimal einen Galenus-Preis gewinnen konnten."

Kühns Forschung hilft auch Patienten mit Niereninsuffizienz

Die beiden Preisträger erhielten jeweils eine Medaille und eine Urkunde. Alle Arzneimittel-Bewerbungen erfüllten die Bedingung, dass sie zum Zeitpunkt der Einreichung bereits seit einem Jahr in Deutschland zugelassen und im Handel erhältlich waren.

In der Grundlagenforschung überzeugte das Forscherteam um den Nephrologen Professor Wolfgang Kühn aus Freiburg die Jury. Er und sein Team haben sich in der Forschung um die Entschlüsselung molekularer Mechanismen der autosomal dominanten polyzystischen Nierenerkrankung (ADPKD) verdient gemacht.

Die Vize-Präsidentin der Jury, Professor Marion Kiechle, betonte in Berlin, dass die Entscheidung für die Preisvergabe nicht nur darauf beruhe, dass die Forscher den molekularen Pathomechanismus dieser erblichen Erkrankung entschlüsselt haben.

Schavan: "Herausragende Leistungen"

Darüber hinaus sei es durch die Entdeckung möglich geworden, dass bereits bekannte und auf dem Markt verfügbare Medikamente zur Behandlung der Patienten genutzt werden können. So sei es künftig möglich, diese Patienten vor einer Niereninsuffizienz und dem Verlust der Nierenfunktion zu bewahren.

Der Forschungserfolg gelang Kühn gemeinsam mit Dr. Fruzsina Kotsis und Dr. Christopher Böhlke innerhalb der vergangenen acht Jahre, wie Kühn sagte.

Der Preisträger erhält zur Medaille und Urkunde zusätzlich ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Bundesforschungsministerin Professor Annette Schavan (CDU), die die Schirmherrschaft des Galenus-von-Pergamon-Preis übernommen hat, würdigte die herausragenden Leistungen aller Forscherteams. Alle Einreichungen zeichneten sich durch ein sehr hohes Niveau aus.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), sagte in seinem Grußwort: "Nicht jedes neue Medikament ist ein medizinischer Fortschritt. Wie gut, dass der Galenus-von-Pergamon-Preis Klarheit schafft. Schon die jährlichen Nominierungen sind eine Hall of Fame."

Der Preis wird von der "Ärzte Zeitung" gestiftet und von der Fachverlagsgruppe Springer Medizin verliehen. Über die Preisträger hat die Jury aus 12 unabhängigen Experten am Nachmittag entschieden.

Lesen Sie dazu auch:
Galenus-Preis-2011: Das waren die Kandidaten
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