Ärzte Zeitung, 14.03.2005

In diesem Jahr wird zum 15. Mal der Galenus-von-Pergamon-Preis zur Förderung der pharmakologischen Forschung verliehen. Die von der "Ärzte Zeitung" gestiftete Auszeichnung für innovative Medikamente wird alle zwei Jahre vergeben. Eine in dieser Woche beginnende Serie stellt alle bisherigen Preisträger vor.

Auszeichnung für echte Innovationen

Galenus-von-Pergamon-Preis für Medikamente, die in Deutschland seit mindestens einem Jahr auf dem Markt sind

NEU-ISENBURG (ple). Der von der "Ärzte Zeitung" gestiftete Galenus-von-Pergamon-Preis ist von großer Bedeutung für die Pharmaforschung, für den Standort Deutschland, "aber besonders und vorwiegend für Kranke, die sich Hilfe von neuen Medikamenten erhoffen". Das sagt Professor Erland Erdmann aus Köln, Vorsitzender der Jury für die Vergabe des Preises.

Hofft auf den Erhalt der innovativen Pharmaforschung in Deutschland: Professor Erland Erdmann aus Köln. Foto: sbra Fordert viel mehr Freiraum für die Grundlagenforschung: Professor Björn Lemmer aus Mannheim. Foto: ÄZ

Der Galenus-von-Pergamon-Preis ist Teil des internationalen Prix Galien. Die Kandidaten für den internationalen Preis müssen bereits einen nationalen Prix Galien erhalten haben. "In Deutschland ist dieser Preis das Gegenstück zum internationalen Prix Galien und erfreut sich großer internationaler Beachtung", sagt der Kardiologe Erdmann. In der Kategorie A des Preises wird ein herausragendes neues Arzneimittel, eine echte Innovation, die sich seit mindestens einem Jahr in Deutschland auf dem Markt befindet, ausgezeichnet.

In der Kategorie B des Preises wird eine besondere Forschungsleistung in der klinischen und experimentellen Pharmakologie belohnt. Diese Arbeit muß zum Fortschritt zur Arzneimittel- oder Diagnostikaforschung wegweisend sein. Erdmann: "Man sieht also sofort, daß hier die Grundlagen für die weitere Pharmaforschung in Deutschland betont und gestärkt werden sollen. Dieser Preis kann also gar nicht hoch genug gewürdigt werden."

Alle zwei Jahre wird der Galenus-Preis vergeben

Der nationale Galenus-Preis wird seit 1985 Jahre verliehen. Es wurden viele und wichtige lebenserhaltende oder lebensverlängernde Medikamente gewürdigt, wie Erdmann sagt. Das sind etwa Movergan® (Selegilin) zur Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson oder Synagis® (Palevizumab), ein monoklonaler Antikörper zum Impfschutz von Frühgeborenen gegen schwere Atemwegsinfekte durch Respiratory Syncytial Viren.

Wie wird es in der pharmakologischen Forschung weitergehen? Erdmann: "Ich will nur hoffen, daß eine wesentliche innovative Pharmaforschung in Deutschland erhalten bleiben wird. Es wäre peinlich, wenn wir alle Pharmafirmen aus Deutschland vertrieben haben und dann beklagen, daß Neuentwicklungen hier nicht mehr stattfinden. In diesem Sinne bete ich, daß die Befürchtungen vieler Fachleute falsch sind."

Von zentraler Bedeutung für die Medizin ist nach Erdmanns Ansicht die kardiovaskuläre Medizin. Sie könne in Deutschland wegen der demographischen Entwicklung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. "Wir brauchen unbedingt Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Prophylaxe von Herzinfarkt, Schlaganfall und peripheren atherosklerotischen Erkrankungen", so Erdmann. "ACE-Hemmer und AT1-Rezeptor-Antagonisten, die mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis belohnt wurden, haben die Letalität um 20 bis 30 Prozent senken können - das ist ein schöner Erfolg, aber natürlich noch nicht genug."

Erdmann erwartet künftig Medikamente, mit denen eine kausale Therapie bei Atherosklerose möglich ist, ebenso Mittel, die die kardiovaskulären Folgen bei Diabetes verhindern können. Die aktuelle Forschung dazu sei vielversprechend. Die innovative Forschung in Deutschland ist allerdings noch nicht optimal.

Erdmann: "Wir müssen darauf hinwirken, daß die besten kreativen Köpfe unseres Landes wieder in die Forschung gehen und daß sich kompetitive wissenschaftliche Anstrengungen lohnen. Unser Bundeskanzler hat völlig zurecht auf die Bedeutung der Eliteförderung hingewiesen. Wir benötigen eine akademische Elite, die diesen Namen auch im internationalen Vergleich verdient."

Für Professor Björn Lemmer aus Mannheim, Stellvertreter des Jury-Vorsitzenden, hat sich der Galenus-Preis zu einem Stimulus für die Entwicklung neuer Medikamente oder Wirkmechanismen entwickelt: "Das haben die innovativen Präparate gezeigt, die mit dem Galenus-Preis in Deutschland, aber auch im europäischen Rahmen ausgezeichnet wurden." Da auch hochkarätige Beiträge aus dem universitären Bereich zur Begutachtung eingereicht werden, habe der Preis für Deutschland und Europa einen recht hohen Stellenwert.

In der Forschung werden derzeit verstärkt genetische Varianten bei Erkrankungen untersucht, um gezielt dagegen Medikamente zu entwickeln, etwa bei Herzrhythmusstörungen. Es sei vielversprechend, daß Forscher in die Ketten der Signalübertragung eingriffen und versuchten, dadurch bessere therapeutische Angriffspunkte zu finden.

Um die Entwicklung innovativer Medikamente verbessern zu können, fordert Lemmer mehr Freiraum für die Grundlagenforschung. Grundlagenforschung bedeute, daß man vorher nicht genau wisse, was dabei rauskommt. Doch es müsse möglich sein, auch Irrtümer in der Forschung zu begehen. Lemmer: "Das war in der Vergangenheit eine Triebfeder der deutschen Universitäten, daß sie eine freie Forschung - mit Risiko - unterstützten."

Bewerber sollten Unterlagen bis zum 30. April 2005 einreichen an: Sekretariat Galenus-von-Pergamon-Preis c/o Ärzte Zeitung Verlagsgesellschaft mbH, Sabine Springer, Postfach 20 02 51, 63077 Offenbach am Main.

Weitere Beiträge zur Serie:
"Chronik der Preisträger"

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