Ärzte Zeitung, 29.06.2005

Einem Risikofaktor für Schäden an gespendeten Organen auf der Spur

Entdeckung eines Transportproteins ausgezeichnet

NEU-ISENBURG (ple). Mit der Hälfte des Galenus-von-Pergamon-Preises 2005 der Kategorie B haben die Mitglieder der unabhängigen Jury die Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. Ingeborg A. Hauser von der Medizinischen Klinik IV der Universität Frankfurt am Main geehrt. Die Gruppe entdeckte ein Transport-Protein für Ciclosporin.

Ingeborg Hauser und ihre Kollegen werden für ihre Forschung zu einem Eiweißmolekül in der Zellmembran ausgezeichnet, das als Transportmolekül funktioniert und Substanzen durch die Membran leitet. In der jetzt prämierten Arbeit haben die Wissenschaftler jenes Protein erforscht, das Substanzen wie das Immunsuppressivum Ciclosporin aus Zellen pumpt.

Nach Medikamentenwechsel erholten sich die Nieren

Die Forscher aus Frankfurt machten immunhistochemische Untersuchungen zur Synthese dieses Transportmoleküls bei Patienten nach einer Nierentransplantation. Bei manchen Patienten trat eine Nierenschädigung nach einer Ciclosporinbehandlung auf. Die Wissenschaftler entdeckten, daß das Transportmolekül maßgeblich an der Schädigung des gespendeten Organs beteiligt ist. Sie spürten zudem Mutationen in dem Gen für das Transportmolekül auf, die Ursache für eine verminderte Synthese des Transporters sind.

Die Forscher prüften darüber hinaus in einer Fall-Kontrollstudie, ob die verminderte Synthese des Transportmoleküls ein Risikofaktor für eine Schädigung der gespendeten Nieren durch Ciclosporin ist. In der Studie hatten 18 von 97 Patienten, die eine fremde Niere bekommen hatten und mit dem Immunsuppressivum behandelt wurden, Nierenschäden aufgrund der Immunsuppression. Die Nierenfunktion wurde aber bei allen 18 Patienten wieder hergestellt, als die Ärzte die immunsuppressive Behandlung auf ein Medikament umstellten, das kein Calcineurin-Hemmstoff wie Ciclosporin war.

Mutationen in den Zellen von gespendeten Organen

Mit molekulargenetischen Analysen entdeckten die Forscher eine Genmutation in den Zellen des gespendeten Organs, die mit einem erhöhten Risiko für dessen Schädigung durch Ciclosporin assoziiert ist. Künftig könnten Patienten, bei denen aufgrund des veränderten Transportmoleküls eine solche Schädigung unter Ciclosporin zu erwarten ist, von vornherein mit einem anderen Mittel behandelt und damit vor einer Nierenschädigung bewahrt werden.

"Jetzt kann ein Test entwickelt werden, mit dem vor Beginn der immunsuppressiven Behandlung die Expression des Transporterprotein-Gens bestimmt werden kann", sagt der Kardiologe Professor Erland Erdmann aus Köln, Präsident der Galenus-Preis-Jury.

Die Frankfurter Preisträger um Ingeborg Hauser plädieren entsprechend dafür, bei der Aufklärung genetischer Faktoren, die zur Dysfunktion eines gespendeten Organs beitragen, künftig den Genotyp des Organspenders besonders zu berücksichtigen. (ple)

Lesen Sie zum anderen Preisträger in der Kategorie B:
Eine neue Erklärung für die Entstehung von Krankheitsprozessen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »