Ärzte Zeitung, 07.04.2005

Linezolid schließt eine Lücke bei Antibiotika

Preis für wichtige Innovation gegen schwere Infektionen

Wegen zunehmender Resistenzen von grampositiven Bakterien gegen herkömmliche Substanzen werden innovative Antiinfektiva mit neuen Wirkprinzipien dringend gebraucht. Mit Zyvoxid® vom Unternehmen Pfizer wurde im Jahr 2003 ein solches neuartiges Antibiotikum mit dem von der "Ärzte Zeitung" gestifteten Galenus-von-Pergamon-Preis prämiert. Das Arzneimittel mit dem Wirkstoff Linezolid ist das jüngste Medikament, das diese Auszeichnung erhalten hat.

Resistente Staphylococcus aureus (kleines Foto) sind vor allem auf Intensivstationen ein großes Problem. Linezolid ist gegen die Keime hochwirksam. Fotos: Archiv, ZB

Mit dem Antiinfektivum war erstmals seit 30 Jahren ein Antibiotikum aus einer neuen Substanzgruppe (den Oxazolidinonen) mit einem neuen Wirkprinzip in den deutschen Markt eingeführt worden. Seither ist es auch die letzte Einführung eines neuartigen Antibiotikums geblieben.

In Studien hat sich Linezolid  als hochwirksam gegen resistente Keime wie Methicillin-resistente Staph. aureus (MRSA) erwiesen. Dies ist von großer Bedeutung, denn der Anteil der MRSA unter den Staph. aureus ist auf deutschen Intensivstationen zwischen 1990 und 2003 von drei auf 21 Prozent angewachsen. Mit schwerwiegenden Folgen: Werden nämlich kritisch kranke Patienten mit nosokomialer Bakteriämie nicht angemessen mit Antibiotika behandelt, stirbt jeder zweite von ihnen.

In klinischen Studien mit mehr als 4000 Patienten war die Wirksamkeit von Linezolid bei nosokomialen und ambulant erworbenen Pneumonien sowie bei Haut- und Weichteilinfektionen belegt worden.

Das Antibiotikum erfaßt dabei alle klinisch relevanten grampositiven Erreger, wie MRSA, Penicillin-empfindliche und unempfindliche Streptokokken inklusive S. pneumoniae sowie Enterokokken einschließlich der Vancomycin-resistenten Stämme. Da sich der Wirkmechanismus von Linezolid von den Mechanismen anderer Antibiotika unterscheidet, sind zudem Kreuzresistenzen nicht zu erwarten.

"Für die Therapie bei schweren Infektionen ist Linezolid eine entscheidende Innovation", sagte damals Professor Ernst Mutschler aus Frankfurt am Main in seiner Laudatio zur Preisverleihung. Das Antibiotikum übertrifft dabei zum Teil die Wirksamkeit alternativer Substanzen wie Vancomycin.

Als Belege führte der damalige Jury-Vorsitzende die Ergebnisse zweier Phase-III-Studien an. Darin wurden 1019 Patienten, die eine nosokomiale Pneumonie durch grampositive Erreger hatten, mit Linezolid oder mit Vancomycin i.v. behandelt. Bei 91 Patienten wurden MRSA isoliert. In dieser Untergruppe der MRSA-infizierten Patienten war Linezolid mit einer Heilungsrate von 62 Prozent Vancomycin mit einer Heilungsrate von 21 Prozent deutlich überlegen.

Mit dem Galenus-Preis in der Kategorie B ist 2003 ein neuer Therapieansatz bei Psorias prämiert worden. Forscher um Professor Wolf-Henning Boehncke aus Frankfurt am Main und Privatdozent Dr. Michael P. Schön aus Magdeburg haben belegt, daß die Substanz Efomycin M bei Tieren Hautentzündungen stark reduziert. (eis)

Weitere Beiträge zur Serie:
"Chronik der Preisträger"

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