Ärzte Zeitung, 12.07.2007

Galenus-Preis würdigt Krebsmittel

Monoklonaler Antikörper Bevacizumab in der Kategorie A ausgezeichnet / B-Preis für Lungenforschung

NEU-ISENBURG (ple). Mit dem von der "Ärzte Zeitung" gestifteten Galenus-von-Pergamon-Preis 2007 der Kategorie A ist das Krebsmittel Avastin® mit dem Antikörper Bevacizumab von Roche Pharma ausgezeichnet worden. "Die Galenus-Jury war beeindruckt davon, dass hier ein Wirkmechanismus aufgeklärt wurde, der durch einen Antikörper gehemmt wird", sagt Jury-Präsident Professor Erland Erdmann aus Köln. Der Galenus-Preis ist Teil des internationalen Prix Galien.

Bevacizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der an den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) bindet. Dadurch verhindert der Antikörper, dass VEGF an seine Rezeptoren an der Oberfläche von Endothelzellen andockt, wie Erdmann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erläuterte.

Tumoren benötigen zum Wachstum und zur Metastasierung die Angiogenese, die durch den Faktor VEGF stimuliert wird. "Die Hemmung der biologischen Aktivität von VEGF vermindert die Vaskularisierung von Tumoren und dadurch deren Wachstum", so Erdmann. In diesem Sinne sei Bevacizumab ein spezifisch angreifender Antikörper, der das Tumorwachstum verhindert.

Zunächst wurde das Medikament Anfang 2005 zur Therapie für Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom zugelassen. Erdmann: "Bei diesen Patienten hat der monoklonale Antikörper die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten hochsignifikant erhöht und ist deshalb aus der Therapie bei dieser Erkrankung gar nicht mehr wegzudenken."

So lag in einer Zulassungsstudie mit Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektum-Ca das mediane Überleben in der Bevacizumab-Gruppe bei 20 Monaten, in der Placebo-Gruppe dagegen nur bei 15,6 Monaten. Der Antikörper wurde als Ergänzung zur Therapie mit 5-Fluorouracil (5-FU) / Folinsäure plus Irinotecan verabreicht. Es gebe nur wenige Ausnahmen von Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom, die nicht mit Bevacizumab behandelt werden könnten, etwa wegen schwerer Hypertonie oder Blutungen, so Erdmann.

Auch Frauen mit Brustkrebs profitieren von der Antikörpertherapie: In der Zulassungsstudie zur Erstlinientherapie bei metastasiertem Mamma-Ca ließ sich die progressionsfreie Zeit von fast 7 auf knapp 14 Monate verdoppeln - ein zuvor nicht erreichter Therapie-Erfolg. Seit Ende März 2007 ist Bevacizumab auch in dieser Indikation zugelassen.

Bevacizumab wird beim Kolon- oder Rektum-Ca in der Regel mit 5-FU / Folinsäure und Irinotecan kombiniert. Auch Kombinationen mit Carboplatin plus Paclitaxel sind nach Angaben von Erdmann bei verschiedenen Tumoren gebräuchlich. Häufig werde mit einer Dreier-, gelegentlich aber auch mit einer Viererkombination behandelt. Bei Frauen mit Brustkrebs etwa wird Bevacizumab mit Paclitaxel kombiniert. Sowohl bei Brustkrebs als auch beim Kolorektal-Ca werden die Patienten mit dem Antikörper bis zum Fortschreiten der Erkrankung behandelt.

Preis der Kategorie B

Mit dem Galenus-Preis der Kategorie B sind die Arbeitsgruppen um Privatdozent Alexander Dietrich aus Marburg und Professor Norbert Weißmann aus Giessen ausgezeichnet worden. Die Wissenschaftler werden für die Erforschung der akuten hypoxischen pulmonalen Vasokonstriktion geehrt. Die Arbeiten der Preisträger stellen wir demnächst vor. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »