Ärzte Zeitung, 09.07.2015

Autoimmunerkrankungen

Neue Funktion von B-Zellen entdeckt

MÜNCHEN. Die klassische Funktion von B-Zellen ist ja die Antikörper-Produktion. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) haben nachgewiesen, dass B-Zellen in der Thymusdrüse unerwünschte T-Zellen in den Zelltod treiben und damit Autoimmunerkrankungen verhindern.

Das Team um Professor Ludger Klein setzte in der Thymusdrüse potenziell gefährliche T-Zellen außer Gefecht, damit diese nicht körpereigene Strukturen angreifen (Immunity 2015; 42(6): 1048-1061).

Die Forscher entdeckten, dass B-Zellen im Thymus das Autoimmune Regulator (Aire)Gen exprimieren, teilt die LMU mit. "Wir haben Hinweise gefunden, dass B-Zellen möglicherweise ebenso wichtig sind wie medulläre Epithelzellen, um autoreaktive T-Zellen zu eliminieren", wird Klein in der Mitteilung zitiert.

Ihr Ergebnis widerlege die bisherige Annahme, dass ausschließlich medulläre Epithelzellen und dendritische Zellen wichtige antigen-präsentierende Zellen im Thymus sind.

Wie die Forscher herausfanden, unterscheiden sich B-Zellen in der Thymusdrüse in mehrerer Hinsicht von B-Zellen in Blut, Milz und Lymphknoten. "Thymische B-Zellen zeigen mehrere Eigenschaften, die ansonsten nur für hochspezialisierte antigen-präsentierende Zellen charakteristisch sind", sagt Klein.

Diese Eigenschaften sind das Resultat eines "Umerziehungsprozesses", den aus dem Blutstrom eingewanderte B Zellen durchlaufen, wenn sie mit T-Zellen im Thymus interagieren.

In einem nächsten Schritt wollen die Forscher untersuchen, ob eine erblich bedingte verminderte B-Zellfunktion, die bislang nur mit einer verminderten Immunantwort in Verbindung gebracht wurde, paradoxerweise auch Auslöser von T-Zell-vermittelten Autoimmunerkrankungen, also einer Überfunktion des Immunsystems, sein kann. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »