Ärzte Zeitung, 11.02.2013

Frauen

Wenn's vorne tröpfelt, läuft's hinten auch

Nicht wenige Frauen mit Harninkontinenz haben auch eine Stuhlinkontinenz, die sie versuchen, ihrem Arzt zu verheimlichen.

Von Peter Leiner

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Geschlossenes Örtchen.

© Martina Berg / fotolia.com

ISTANBUL. Türkische Ärzte empfehlen, bei - vor allem älteren - Patientinnen mit Harninkontinenz auch zugleich eine Stuhlinkontinenz abzuklären. Denn: Fast ein Drittel der Frauen mit Harninkontinenz hat zusätzlich auch eine Stuhlinkontinenz, die die Lebensqualität weiter beeinträchtigt.

Dabei variieren allerdings die Angaben in der wissenschaftlichen Literatur zwischen 9 und 54 Prozent. Aus anderen Studien geht darüber hinaus hervor, dass 20 bis 30 Prozent der Frauen mit einer zweifachen Inkontinenz die Stuhlinkontinenz ihren Ärzten verschweigen.

Türkische Ärzte um Dr. Selcuk Selcuk vom Zeynep Kamil-Krankenhaus in Istanbul haben nun bei 136 Frauen mit Harninkontinenz anhand mehrerer Fragebögen auch nach einer Stuhlinkontinenz gefahndet und den Einfluss der Inkontinenz auf das Sexualleben analysiert (Int Urogynecol J 2012; 23: 1781-1784).

Insgesamt 86 Frauen (63,2 Prozent) befanden sich noch vor der Menopause, 109 (80,1 Prozent) hatten einen asymptomatischen Beckenbodenprolaps.

Bei 94 Frauen (69,1 Prozent) wurde nur eine Harninkontinenz diagnostiziert, bei den übrigen zusätzlich eine Stuhlinkontinenz - von unfreiwilligem Abgang von Gas bis zum Abgang von festen Bestandteilen.

Die türkischen Ärzte erinnern daran, dass Stuhlinkontinenz gerade bei älteren Frauen auftritt. An der Studie nahmen vor allem ältere Frauen teil, im Durchschnitt waren sie 52,3 ± 10,4 Jahre alt.

Die Studienteilnehmerinnen wurden aufgefordert, insgesamt vier standardisierte Fragebögen auszufüllen. Dabei schnitten jene mit doppelter Inkontinenz im Vergleich zu denen, die nur eine Harninkontinenz hatten, schlechter ab, wenn zur Beurteilung die drei Testbögen IIQ-7 (Incontinence Impact Questionnaire), PISQ-12 (Pelvic Floor and Incontinence Sexual Impact Questionnaire) und BAI (Becks Anxiety Inventory) zugrunde gelegt wurden.

Nur beim IIQ-7-Fragebogen war der Unterschied zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant.

Subgruppenanalysen haben ergeben, dass aufgrund der Doppelinkontinenz das Sexualleben der Frauen besonders stark beeinträchtigt wurde und bei ihnen zudem durch die Belastung ängstliche Stimmungen verstärkt wurden.

Und das wiederum verschlechtert offenbar die Lebensqualität der betroffenen Frauen, wenn es zum Beispiel um die Parameter Selbstwertgefühl, Ziele und Werte oder auch Freundschaft geht.

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