Ärzte Zeitung, 13.10.2009

Infarktsterblichkeit ist weiter rückläufig

Die Zahl der tödlichen Myokardinfarkte ist in Deutschland weiter rückläufig. Ungeachtet dieses erfreulichen Trends bestehen mit Blick auf die Infarktsterblichkeit aber immer noch zum Teil erhebliche regionale Unterschiede.

Von Peter Overbeck

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Hamburg hat die höchste Dichte an Linksherzkatheter-Messplätzen.

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl tödlicher Herzinfarkte im Jahr 2008 um fast 10 000 Ereignisse zurück, berichtete Dr. Ernst Bruckenberger, Autor des aktuellen, auf der diesjährigen Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Dresden vorgestellten Herzberichts. Der mittlerweile 21. Herzbericht liefert - diesmal bezogen auf das Jahr 2008 - erneut eine umfassende Übersicht etwa zur Sterblichkeit bei Herzkrankheiten und zur Leistungsstruktur in der kardiologischen und herzchirurgischen Versorgung in Deutschland.

Infarktsterblichkeit ist in Berlin am niedrigsten

Trotz des insgesamt erfreulichen Trends seien bei der Infarktsterblichkeit nach wie vor deutliche regionale Unterschiede zu beobachten, betonte Bruckenberger. Mit 25, 37 und 39 Gestorbenen pro 100 000 Einwohner war die niedrigste Infarktsterblichkeit in Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein zu verzeichnen. Im Vergleich dazu stellt sich die Situation im deutschen Osten deutlich ungünstiger dar: Mit 103, 95 und 94 Gestorbenen pro 100 000 Einwohner waren Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg die Bundesländer mit der höchsten Infarktsterblichkeit.

Unterschiede in der herzmedizinischen Versorgungsstruktur zwischen West und Ost können dafür nicht als Erklärung dienen. Denn bei Leistungen wie Koronarinterventionen oder Herzoperationen bestehen heute - gemessen an den Leistungen pro 100 000 Einwohner - keine Unterschiede mehr. Der nach der Wiedervereinigung zunächst vorhandene Nachholbedarf in den neuen Bundesländern sei inzwischen gedeckt, konstatierte Bruckenberger.

Nach Jahren mit sehr deutlichen Leistungsanstiegen bei diagnostischen und therapeutischen Herzkatheter-Eingriffen ist mittlerweile eine gewisse Stagnation zu erkennen - wenn auch auf hohem Niveau. Im Jahr 2008 wurden in Deutschland insgesamt 765 Linksherzkatheter-Messplätze für Erwachsene und damit 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr betrieben. Bei den Katheteruntersuchungen - ihre Gesamtzahl betrug 851 517 - war im Vergleich zum Vorjahr nur noch eine relativ leichte Zunahme um 2,3 Prozent und bei den kathetergestützten Koronarinterventionen (Gesamtzahl: 304 719) ein minimaler Anstieg um 1,7 Prozent zu registrieren. Diese Leistungszuwächse seien die niedrigsten seit 1980, so Bruckenberger.

Anhaltender Rückgang bei den Bypass-Operationen

An den 80 herzchirurgischen Zentren in Deutschland sind 2008 insgesamt 159 205 Eingriffe vorgenommen worden, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Rückläufig ist allerdings weiterhin die Zahl der koronaren Bypass-Operationen (Abnahme um 3,6 Prozent). Vor allem bei sehr alten Patienten halte der Trend zu schonenderen Revaskularisationsverfahren an, berichtete Bruckenberger. So sei die Zahl der perkutanen Koronarinterventionen pro eine Million Einwohner in der Altersgruppe der über 80-jährigen KHK-Patienten seit 2003 um 88 Prozent angestiegen, während die der isolierten Bypass-Operationen erstmals um 1 Prozent zurückgegangen sei. Die Sorge, dadurch zur Untätigkeit verurteilt zu werden, müssen sich die Herzchirurgen aber wohl nicht machen: Sowohl bei den Klappenoperationen (plus 4,8 Prozent) als auch bei Operationen wegen angeborener Herzfehler (plus 3 Prozent) gab es 2008 einen Anstieg der Zahlen.

Auch bei Herzklappenerkrankungen zeichnet sich allerdings ab, dass sich die kathetergestützte Klappenimplantation als Alternative oder Ergänzung zur offenen Klappenchirurgie etablieren wird.

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