Ärzte Zeitung, 17.06.2010

Besonders bedrohlich: CED-spezifische und septische Komplikationen

Elektrolyt-Entgleisung oder Perforation sind oft Anlass für Intensivtherapie bei CED-Patienten.

Von Marlinde Lehmann

MÜNCHEN. Bei Patienten mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED) sind Komplikationen der Darmkrankheit und septische Komplikationen die häufigsten Ursachen für die Aufnahme auf eine Intensivstation. Das hat eine Erhebung an der TU München ergeben.

Kollegen um Privatdozent Dr. Wolfgang Huber vom Klinikum Rechts der Isar der TU München haben Risikofaktoren, Verlauf und Prognose von Intensivpatienten mit einer CED evaluiert. Von Beginn des Jahres 1991 bis Ende Januar 2008 sammelten sie so Datensätze im Zusammenhang mit 36 Aufenthalten von 28 CED-Patienten auf Intensivstationen (DMW 2010; 135: 668).

Die Analyse ergab: Mit 44 Prozent und 22 Prozent waren CED-spezifische Komplikationen (zum Beispiel fulminanter Schub, Perforation oder Elektrolyt-Entgleisung) und septische Komplikationen die häufigsten Ursachen für eine Aufnahme auf die Intensivstation. Thromboembolische Komplikationen wurden bei 17 Prozent der Patienten als Grund für die Intensiv-Aufnahme dokumentiert. Fünf Patienten starben, alle an septischen Komplikationen unter Immunsuppression. Solche septischen Komplikationen waren zum Beispiel Candida-Sepsis, Varizellen-Pneumonie oder Pneumocystis-Pneumonie.

Bei CED-Kranken könnten Komplikationen der Grunderkrankung und der Immunsuppression gleichermaßen lebensbedrohlich verlaufen, erinnern die Kollegen aus München. Daher scheine eine bessere Charakterisierung der Patienten, die von einer Mehrfach-Immunsuppression und/oder Antikörper-Therapie profitieren können, sinnvoller als eine unkritische frühe Anwendung dieser Substanzen. Sei die Entscheidung zu einer immunsuppressiven Therapie gefallen, sollten unbedingt die ECCO-Empfeh-

lungen zur Prophylaxe opportunistischer Infektionen eingehalten werden.

Ferner sollte aber auch das mit einer Steroidtherapie verknüpfte Risiko nicht unterschätzt werden, so Huber und seine Kollegen: Bereits eine tägliche Steroid-Dosis über 10 mg Prednisolon oder eine Kumulativ-Dosis von 700 mg sowie eine Therapiedauer von mehr als zwei Wochen erhöhten das Infektionsrisiko signifikant.

Lesen Sie dazu auch:
Tipps zur Prävention von Infektionen bei CED
Besonders bedrohlich: CED-spezifische und septische Komplikationen
Colitis ulcerosa kostet 2500 Euro pro Jahr und Patient
Mikroflora des Darms bei CED deutlich verändert

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Therapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »