Ärzte Zeitung, 01.08.2007

Sommerakademie 2007

Präparate-Hopping ist bei Thyroxin nicht ohne - und spart nichts

Therapeutische Breite gering / Notwendige TSH-Kontrolle bei Wechsel kostet

Mit der Einführung des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes müssen Apotheken seit April rabattierte Arzneimittel abgeben - sofern die Krankenkasse des Patienten einen Rabattvertrag mit dem Hersteller abgeschlossen hat. Bei Levothyroxin etwa kann das Patienten Probleme machen. Denn die Bioverfügbarkeit von Levothyroxin-Präparaten ist unterschiedlich. Und die therapeutische Breite ist gering.

Auch wenn die Dosis dieselbe ist und Tabletten gleich aussehen: Die Bioverfügbarkeit kann bei verschiedenen Präparaten sehr unterschiedlich sein. Foto: Bilderbox

In einer Studie zum Beispiel war die Bioverfügbarkeit von L-Thyroxin Henning® signifikant höher als die des Vergleichspräparats (Med Klin 97, 2002, 522). Gründe für eine unterschiedliche Bioverfügbarkeit können quantitative Unterschiede der Begleitstoffe sein, die etwa die Resorption beeinträchtigen, so die Autoren um Professor George J. Kahaly von der Universität Mainz. Deshalb sollten im Fall eines Präparate-Wechsels die TSH-Spiegel kontrolliert werden.

Ähnliches sagen US-amerikanische Fachgesellschaften für Schilddrüsen- und endokrinologische Krankheiten (Thyroid 14, 2004, 486).

Auch Professor Christoph Reiners von der Universität Würzburg sieht ein "Medikamenten-Hopping" wegen der geringen therapeutischen Breite bei Levothyroxin kritisch. "Bei einer Therapie etwa bei Jodmangelstruma, der häufigsten Indikation für eine Levothyroxin-Substitution, soll der TSH-Wert auf einen niedrig-normalen Zielbereich eingestellt sein", sagte Reiners zur "Ärzte Zeitung".

Und nach einer Op wegen Schilddrüsen-Krebs ist es besonders wichtig, dass TSH ausreichend supprimiert wird. Weil sonst ein Wirkprinzip der Therapie, die TSH-Suppression, nicht funktioniert. Wechselt man das Präparat, und fällt der Patient aus dem TSH-Zielbereich, ist die Effektivität der Therapie fraglich. Deshalb sollte bei einem Präparatewechsel etwa nach vier bis sechs Wochen der TSH-Spiegel kontrolliert werden.

Solche notwendigen Kontrollen machen aber die geringe Ersparnis von jährlich etwa 1,82 Euro zunichte, die man derzeit erreichen kann, wenn etwa das preiswerteste Levothyroxin 100 µg statt eines gleich dosierten Originalpräparates verordnet wird. "Da beträgt der Unterschied pro Tablette derzeit 0,5 Cent", sagte Reiners. Eine TSH-Bestimmung kostete die Kassen aber 10 bis 25 Euro. Und Kontrollen könnten öfter im Jahr fällig werden, wenn immer andere Präparate am preiswertesten sind und dann verordnet werden.

Reiners’ Rat: Ärzte sollten kontrollieren, ob Patienten die verordneten Präparate erhalten haben. Etwa, indem man sich die Packungen zeigen lässt. Oder indem man durch ein Aut-idem-Kreuz den Austausch ausschließt. Wird - warum auch immer - das Präparat gewechselt, sollte TSH kontrolliert werden. (gwa)

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