Ärzte Zeitung, 19.09.2008

Ärzte gehen in Berlin gegen Schwarz-Rot auf die Straße

1000 niedergelassene Mediziner, Praxismitarbeiter und Patienten machen im Zentrum der Hauptstadt ihrem Unmut Luft

BERLIN (ble). Etwa 1000 Ärzte, Praxismitarbeiter und Patienten haben am vergangenen Freitag in Berlin gegen die Gesundheitspolitik der großen Koalition demonstriert.

Nur die Treppenhäuser stehen noch vom einstigen "Palast der Republik" der DDR im Zentrum Berlins: Die Freie Ärzteschaft fürchtet, dass ein solches ruinöses Schicksal auch der flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung droht.

Fotos: Bauchspieß

Zur Demonstration aufgerufen hatte die Freie Ärzteschaft (FÄ) und die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGVP). Beide Verbände hatten zuvor mit bis zu 10 000 Teilnehmern gerechnet.

Bei der Auftaktkundgebung vor dem Roten Rathaus warf der Präsident der FÄ, Martin Grauduszus, der Bundesregierung einen Vernichtungsfeldzug gegen Haus- und Fachärzte vor. "Politisch gewollt, ja sogar forciert, soll die flächendeckende, wohnortnahe haus- und fachärztliche Versorgung der Bürger dieses Landes zerstört werden", sagte er. Der "Arzt um die Ecke" solle wegrationalisiert werden. Diese Entwicklung habe in Gestalt Medizinischer Versorgungszentren bereits Einzug gehalten.

DGVP-Präsident Wolfram-Arnim Candidus forderte die Versicherten auf, der Politik der großen Koalition 2009 die rote Karte zu zeigen. Die Versicherten würden "immer mehr in die Mangel genommen und entmündigt", sagte er.

Kam aus Düsseldorf nach Berlin: Die Internistin Jutta Fleckenstein.

Mit unter den Teilnehmern war die Internistin Jutta Fleckenstein aus Düsseldorf, die der FÄ angehört. Wie viele andere Kollegen nahm auch sie gleich ihre beide Praxismitarbeiterinnen mit zur Demo. Mit ihrer Teilnahme wolle sie die Bürger "wach rütteln und vor Medizinischen Versorgungszentren, die die Praxen verdrängen, warnen." In die vor wenigen Wochen verabschiedete Honorarreform setzt sie kaum Hoffnung. Etwa 50 Prozent ihrer Leistungen seien ihr bei der letzten Abrechnung nicht vergütet worden. "Das ist auf Dauer nicht mehr machbar." Für sie sei es jeden Tag eine Gratwanderung, auf der einen Seite den Patienten helfen zu wollen, auf der anderen Seite aber von Regressen bedroht zu sein.

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