Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 12.09.2010

Beikonsum bei jedem zweiten Methadon-Patienten in NRW?

ESSEN (nös). In Nordrhein-Westfalen gibt es offenbar erhebliche Probleme mit Beikonsum in der Methadon-Substitution. Experten schätzten, dass jeder zweite Substitutionspatient in NRW zusätzlich illegale Betäubungsmittel konsumiert, berichten die Zeitungen der WAZ-Gruppe am Montag.

Beikonsum bei jedem zweiten Methadon-Patienten in NRW?

Beigebrauch trotz Methadon-Substitution? In NRW soll jeder zweite Patient nebenbei zu illegalen Drogen greifen.

© bonn-sequenz / imago

Zitiert wird der FDP-Landtagsabgeordnete und Arzt Dr. Stefan Romberger, der sich auf Studienveröffentlichungen beruft. Diese hätten gezeigt, dass jeder Zweite zusätzlich auf dem Schwarzmarkt beschafftes Heroin oder andere "weiche" Drogen konsumiert. Defizite macht Romberger dem Bericht zufolge in Arztpraxen aus: "Da wird viel zu wenig hingeschaut, insbesondere in den Praxen, die Methadon ausgeben."

In Nordrhein-Westfalen befinden sich derzeit dem Bericht zufolge rund 38 000 Menschen in einer Substitutionsbehandlung.

Laut WAZ ist auch die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) alarmiert. "Beigebrauch ist ein Riesenproblem", sagte Jost Leune vom DHS-Vorstand der Mediengruppe. Er fordert "viel mehr Kontrolle und zweitens eine bessere Betreuung der Patienten." Dies sei in der Realität bislang aber nur die Ausnahme. "Die Kassen zahlen diese Betreuung nicht, also findet sie auch selten statt", wird der Leiter der Düsseldorfer Drogenhilft, Joachim Alxnat, zitiert.

Eine Studie aus dem vergangen Jahr kam zu ähnlichen Ergebnissen, wie sie jetzt von der WAZ berichtet wurden. 46 Prozent der Methadon-Substituierten konsumierten auf dem Schwarzmarkt besorgtes Heroin, berichtete das Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung der Uni Hamburg (ZIS) im Juli 2009. Bei der Ersatzbehandlung mit Buprenorphin seien es 43,4 Prozent.

Das ZIS kam damals außerdem zu dem Schluss, dass zwei Drittel der Süchtigen bereits illegal Substitutionspräparate konsumiert haben. Mit knapp 60 Prozent rangierte Methadon dort an erster Stelle. Etwas mehr als 40 Prozent gaben an, Levomethadon illegal konsumiert zu haben.

In Deutschland befinden sich rund etlichen zehntausend Drogenabhängige in einer Substitutionstherapie. In ihrem jüngsten "Jahrbuch Sucht" zählt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen 72 000 im Substitutionsregister erfasste Patienten (Stichtag 1. Juli 2008). Im Vorjahreszeitraum lag die Zahl laut DHS bei 68 800.

Zur Behandlung wird in fast 60 Prozent aller Fälle Methadon einsetzt. An zweiter und dritter Stelle folgen Levomethadon und Buprenorphin mit jeweils rund 20 Prozent. Codein und Diamorphin haben in der Therapie nur einen Stellenwert als Außenseiter.

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