Ärzte Zeitung online, 30.06.2011
Bürger sollen sich zur Organspende erklären
FRANKFURT/MAIN (ine/af). Die Gesundheitsminister der Bundesländer haben sich beim Thema Organspende auf die Entscheidungslösung geeinigt.

Die Gesundheitsminister haben sich beim Thema Organspende für die Erklärungslösung ausgesprochen.
© dpa
Die Erklärungslösung sieht vor, dass die Bürger über Organspenden informiert und
gefragt werden, ob sie einer Spende zustimmen oder sie ablehnen. Auch
Enthaltungen sollen möglich sein.
Dafür haben sich die Minister auf der Gesundheitsministerkonferenz der Länder
(GMK) in Frankfurt/Main ausgesprochen.
"Wir erwarten davon eine signifikante Verbesserung der Organspendesituation",
sagte der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner, der den Vorsitz der
Gesundheitsministerkonferenz hat.
Auch Mehrheit der Fachleute für Entscheidungslösung
Im Transplantationsgesetz müsse zudem der Organisationsablauf bei Organspenden
verbessert werden. Es bestehe beispielsweise noch Nachbesserungsbedarf bei der
Frage, wie viele Transplantationsbeauftragte eine Klinik mindestens haben muss.
Bereits am Vortag hatten die Fraktionsvorsitzenden von Union und SPD im Bundestag eine gemeinsame Gesetzesinitiative für die Entscheidungslösung angekündigt.
Auch eine Mehrheit von Fachleuten hat sich bei einer Anhörung im Bundestag für
eine Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz ausgesprochen.
Gruppenantrag angekündigt
Nach der Anhörung kündigten Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) und sein
SPD-Kollege Frank-Walter Steinmeier einen Gruppenantrag in diese Richtung an.
Die ebenfalls zur Debatte stehende Widerspruchslösung fand praktisch keine
Zustimmung.
Jeden Menschen als Organspender zu betrachten, der dem zu Lebzeiten nicht
widersprochen habe, verstoße gegen das Selbstbestimmungsrecht. und sei daher
verfassungswidrig, hieß es..
12.000 Menschen in Deutschland warten auf Spenderorgane. Rund 1000 Menschen im
Jahr sterben, weil sie keines erhalten. Diesen Mangel soll die Gesetzesnovelle
lindern. Das hatte zuletzt auch der Ärztetag vor drei Wochen gefordert.
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| [30.06.2011, 18:00:21] |
| Dr. Thomas Georg Schätzler
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| Entscheidung zur Organspende?
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1. Eine Entscheidungslösung funktioniert nur, wenn Medizin, Medien und Meinungsbildner in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft auf die Bürgerinnen und Bürger zugehen und sich mit Sachargumenten erklären.
2. Amtliche Eintragungen zur Organspendenbereitschaft in Personalausweis, Reisepass und/oder Führerschein sind wie die Dokumentation religiöser, weltanschaulicher, politischer, ethischer, sexueller und verhaltensmäßiger Grundüberzeugungen so absurd wie obsolet.
3. Dass 75 % laut Umfragen zur Organspende bereit sind, aber nur 15 % einen Spenderausweis haben, liest sich im Subtext so, dass die Mehrheit lieber ein (lebensrettendes) Organ bekommen möchte, als dass im finalen Sterbeprozess (Hirntodkriterium) Spenderorgane entnommen werden.
4. Da sich das moralisch-ethische Dilemma der Entnahme möglichst vitaler Organe bei maximal fortgeschrittenem Sterben nicht in jedem Einzelfall für alle Beteiligten auflösen lässt, ist ein offener Diskurs darüber notwendig, um nicht Spekulationen oder Gerüchten Raum zu geben.
5. Auch bei optimaler Konfliktlösung wird die Zahl der (potentiellen)Organempfänger immer größer sein als die der geeigneten Organspenderinnen und -spender.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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