Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung online, 24.07.2011

Magnetstimulation gegen Panik: Patienten für Studie gesucht

MÜNSTER (eb). Können Panikstörungen und Angstattacken durch gezielten Einsatz von Magnetstimulation auf spezielle Regionen des Gehirns besser und schneller behandelt werden? Das wird jetzt in einer Studie geprüft.

"Für das Bild der Panikstörungen und Angsterkrankungen ist dieser Ansatz neu. Allerdings gibt es bereits Befunde, dass dieser Ansatz bei Patienten mit Depressionen erfolgreich eingesetzt werden kann", wird Professor Peter Zwanzger, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster (UKM) in einer Mitteilung der Uniklinik zitiert.

In Industrienationen wie Deutschland erkrankten etwa fünf bis sechs Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Panikstörung mit Agoraphobie (Angst vor offenen Plätzen), an einer reinen Panikstörung ohne Agoraphobie erkranken etwa zwei Prozent, teilt dazu die Uniklinik Münster mit.

Der Studie liegt folgender Forschungsansatz zu Grunde: "Es gibt wissenschaftliche Befunde, nach denen bei Angst- oder Panikerkrankungen ähnlich wie Depressionen bestimmte Gehirnbereiche über- oder unteraktiv sind. Genau an diesem Punkt setzt die Magnetstimulation an.

Die Aktivitätssteigerung durch die Magnetstimulationsbehandlung bestimmter Gehirnbereiche durch die transkranielle Magnetsimulation (TMS) soll diese Fehlfunktionen regulieren und damit zum Erfolg einer Psychotherapie beitragen", so Zwanzger. Keineswegs solle die Psychotherapie durch die Magnetstimulation ersetzt, sondern ergänzt oder beschleunigt werden.

Vor Studienbeginn werden mit jedem Teilnehmer Informationsgespräche geführt und Voruntersuchungen gemacht. Die Studienphase erstreckt sich dann über neun Wochen mit einer Gruppenpsychotherapie, während einer dreiwöchigen Phase zu Beginn findet dann im Labor die Magnetstimulation des Hirnareals durch spezielle Geräte statt.

Zwanzger: "Dabei werden kurzzeitig magnetische Impulse auf die entsprechenden Hirnareale gegeben. Dieses nicht-invasive Verfahren wurde bereits 1985 eingeführt und wird permanent überwacht. Es werden dabei keine weitere Strahlungen freigesetzt, in Einzelfällen kam es allerdings zu vorübergehenden Kopfschmerzen."

Vor und nach einer Behandlung wird mit einem speziellen bildgebendem Verfahren überprüft, ob das entsprechende Gehirnareal stärker durchblutet ist. Dies wäre ein Zeichen für eine gesteigerte Hirnaktivität.

Finanziert wird die Studie mit 250 000 Euro im Rahmen des deutschlandweiten Forschungsverbundes "Paniknetz" durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), teilt das Uniklinikum Münster mit.

Die Studie wird an zwei Standorten durchgeführt: an der Uniklinik Münster und am Uniklinikum Tübingen. Insgesamt 50 Personen können teilnehmen.

Infos für Interessierte: panikstudie@ukmuenster.de; Onlineregistrierung: www.psychiatrie-unimuenster.de; Forschungsverbund Paniknetz: www.paniknetz.de

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