Ärzte Zeitung online, 09.12.2009

Frauen in Industriestaaten wieder häufiger Mütter

ROSTOCK (dpa). Trotz insgesamt schrumpfender Bevölkerung in vielen Industriestaaten entscheiden sich laut einer Studie dort wieder mehr Frauen für Kinder. Seit dem Babyboom in den 60er Jahren sei dies der erste Anstieg auf breiter Front, fand ein Forscher-Team um den Institutsleiter und Chef des MPI-Labors für "wirtschaftliche und soziale Demografie", Joshua Goldstein, am Rostocker Max-Planck-Institut (MPI) für demografische Forschung heraus.

2002 habe die Durchschnittsrate beispielsweise in 16 europäischen Ländern weniger als 1,3 Kinder pro Frau betragen. Nun liege sie in 15 davon höher.

Wie aus der Studie hervorgeht, war auch in Osteuropa und Ostasien die Gesamtgeburtenrate in den 90er Jahren unter die Marke von 1,3 gefallen. "Es schien, dass eine neue Ära extrem niedriger Raten Fuß fasst", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Analyse. Inzwischen sei der Trend zum eigenen Kind vor allem in Ostdeutschland erkennbar. Während die Geburtenrate dort im Jahr 1994 statistisch bei 0,77 Kindern pro Frau lag, wuchs sie bis zum vorigen Jahr auf nahezu das Doppelte (1,40).

In zahlreichen südeuropäischen Staaten gebe es ebenfalls wieder mehr Kinder pro Frau. So kletterte die Geburtenrate Spaniens von 1,19 im Jahr 1996 auf 1,39 im Jahr 2007. Viele Demografen hatten dagegen eine "Bevölkerungsimplosion" befürchtet.

Goldstein sieht mehrere Ursachen für die Entwicklung. So trage etwa die Familienförderung in vielen Ländern zu den Steigerungen bei. Er wies jedoch darauf hin, dass der "Indikator Geburtenrate" die Realität verzerrt darstelle: Die Kennziffer sinke bereits, wenn ein Teil der Frauen das Kinderkriegen lediglich auf spätere Lebensjahre verschiebe. Dies sei seit den 90er Jahren in allen europäischen Staaten geschehen. Die dementsprechend geringen Raten seien demnach in erster Linie auf rechnerische Effekte zurückzuführen. Er erwarte, dass Frauen künftig auch in den europäischen Ländern mit niedriger Geburtenrate im Schnitt 1,5 bis 1,8 Kinder bekommen werden.

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