Ärzte Zeitung, 26.03.2013

Leitartikel

Chronisch krank und angeschlagene Psyche - neue Ansätze sind gefragt

Das simultane Auftreten eines physischen und psychischen Leidens wird häufig medikamentös behandelt. Dies lehnen Patienten oft ab - ebenso wie eine psychotherapeutische Versorgung. Für diese Fälle müssen neue Therapie-Angebote her.

Von Ingeborg Bördlein

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Viel Zeit für Gespräche: Chronisch Kranke haben ein hohes Risiko für Komorbiditäten.

© JPC-PROD/fotolia.com

In der medizinischen Praxis wird die Bedeutung der Körper-Seele-Einheit zu wenig berücksichtigt. "In unserem Gesundheitssystem sind körperlich Kranke, die gleichzeitig eine psychische Störung aufweisen und jene, deren körperliches Leiden durch eine psychische Störung getriggert wird, medizinisch unterversorgt" konstatierte Professor Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Uniklinikum Heidelberg.

So hat fast ein Fünftel der Erwachsenen neben einer körperlichen Erkrankung auch eine behandlungsbedürftige psychische Störung wie etwa eine Depression oder Angststörung. Nur 20 Prozent dieser Patienten erhalten hierzulande eine adäquate Therapie ihres seelischen Leidens, so Herzog.

Besonders für chronische Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, Krebs, Diabetes oder die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gibt es inzwischen eine starke Evidenz dafür, dass sie das Risiko für psychische Erkrankungen erhöhen. Weisen Patienten diese Komorbidität auf, haben sie einen hohen Leidensdruck und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch. So haben nach einer WHO-Erhebung mit über 200.000 Patienten jene mit einer chronischen körperlichen Erkrankung und gleichzeitiger Depression den schlechtesten Outcome.

Die Konsequenzen der physisch-psychischen Komborbidität sind gravierend: eine häufig eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, mehr Berentungen sowie höhere Sterblichkeit und Krankheitskosten.

Damit diese Krankheitskombination frühzeitig erkannt wird, müssen Primärärzten geeignete Diagnoseverfahren an die Hand gegeben werden ...

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