Ärzte Zeitung, 03.03.2004

Eine Abenteuerreise in die Klangwelt der Regentropfen

Ab Donnerstag im Kino: "Erbsen auf halb 6" mit Fritzi Haberlandt und Hilmir Snaer Gudnason

Zwei Blinde allein auf Reisen: Lilly (Fritzi Haberlandt) und Jakob (Hilmar Snaer Gudnason) sind in dem Kinofilm "Erbsen auf halb 6" unterwegs nach Rußland. Foto: dpa

Wenn Regentropfen auf die Erde fallen, hört sich das unterschiedlich an. Je nachdem, ob die Tropfen auf Dosen, Steine, Kiesel oder auf einen See fallen. "Und wenn du genau hinhörst, kannst du den Flug der Tropfen hören", sagt Lilly (Fritzi Haberlandt). In dem Roadmovie und Liebesfilm "Erbsen auf halb 6" erklärt sie dem blinden Jakob die Welt.

Der Isländer Hilmir Snaer Gudnason spielt den Theaterregisseur Jakob. Der hat bei einem Unfall sein Augenlicht verloren und findet sich nur schwer mit seinem Schicksal zurecht. Auch mit der von Geburt an blinden Therapeutin Lilly kann er zunächst nichts anfangen. Doch sie lehrt Jakob schließlich, seinen Sinnen zu vertrauen und begleitet ihn nach Rußland zu seiner todkranken Mutter.

Zwei Blinde allein auf Reisen - das ist ein guter Stoff für einen Roadmovie. "Ich will dem Zuschauer eine fremde Welt zeigen, eine Welt des Sehens und des Fühlens, denn hier macht die Liebe sehen und nicht blind", sagt Regisseur Lars Büchel. Die Reise ins ferne Rußland steht für die Veränderungen, die das Paar durchmacht. "Die innere Reise spiegelt sich in einer tatsächlichen wider", sagt Büchel.

Für die Reise fern der Wirklichkeit bietet die weite russische Steppe eine prächtige Kulisse. Die beiden Blinden spazieren vorbei an verschrottungsreifen Industrieanlagen, spielen Versteck zwischen verfallenen Wellblechhütten. Gegen Ende der Geschichte zieht sich der Film jedoch etwas in die Länge.

Allzu poetisch erklärt Lilly ihrem Jakob das Leben in der Dunkelheit. Dabei hat Büchel durchaus auch Sinn für Komik, die sich aus der Blindheit der Figuren ergibt. Etwa wenn Jakob aus Versehen auf die Schuhe von Lillys Mutter pinkelt, oder in der Kneipe mit jemanden spricht, der ihm längst nicht mehr gegenüber sitzt.

"Es war total schwer, mit offenen Augen das Blindsein zu spielen", beschreibt Fritzi Haberlandt die Dreharbeiten. Sie bereitete sich mit einem Blindentrainer darauf vor und besuchte unter anderem auch die Hamburger Ausstellung "Dialog im Dunkeln". Dort lernte die Schauspielerin einige Tricks, die Blinden und Sehbehinderten den Alltag erleichtern. Wird beispielsweise das Essen auf dem Teller nach dem Zifferblatt einer Uhr angeordnet - Erbsen auf halb sechs, Kartoffeln auf zehn vor zwölf und der Braten auf viertel nach drei - fällt die Orientierung leichter.

Damit auch Blinde den Streifen sehen können, kommt er als Hörfilm in einige Kinos. Mit der sogenannten Dolby-Screen-Talk-Technik können die zusätzlichen Textinformationen zum Film über Infrarot-Kopfhörer abgerufen werden. (ine)

"Erbsen auf halb 6" ab 4. März im Kino. Weitere Infos und Termine der Hörfilm-Fassung unter www.erbsenaufhalb6-derfilm.de.

Die Ausstellung "Dialog im Dunkeln", ist in der Speicherstadt, Alter Wandrahm 4, Hamburg, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Infos im Internet unter www.dialog-im-dunkeln.de.

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