Ärzte Zeitung, 19.05.2004

Der älteste Ärzteverband der Welt wird in diesem Jahr 175 Jahre alt

Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte 1829 gegründet / Jahrestagung

NEU-ISENBURG (ug). Der älteste Ärzteverband der Welt wird in diesem Jahr 175 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum am Christi-Himmelsfahrt-Tag auf seiner Jahrestagung in Köthen in Sachsen-Anhalt. Denn hier, genauer: in einem Lokal außerhalb der Stadt, wurde 1829 der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) gegründet und zwar zum 50. Doktorjubiläum des Begründers der Homöopathie, Dr. Samuel Hahnemanns (1755 bis 1843), der damals in Köthen praktizierte.

Zu seinem 50. Doktorjubiläum wurde vor 175 Jahren der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte gegründet: Dr. Samuel Hahnemann. Foto: Archiv

Hahnemann hatte 1796 zum erstenmal das Grundprinzip der Homöopathie der Öffentlichkeit vorgestellt: similia similibus curentur - Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden. Sechs Jahre lang hatte er vorher in Selbstversuchen an sich und seinen elf Kindern diese These überprüft.

1810 erschien dann Hahnemanns Hauptwerk, das wegen des dogmatischen Grundtons der späteren Auflagen oft als "Bibel der Homöopathie" bezeichnet wird: das "Organon der rationellen Heilkunde". Dieses Buch wurde zu Lebzeiten Hahnemanns in fünf Auflagen veröffentlicht und von Mal zu Mal ergänzt.

Hahnemanns neue Heilmethode wurde von vielen heftig kritisiert. Aber sie gewann schnell Anhänger. In Deutschland ließen sich überall Homöopathen nieder. 1929 schlossen sie sich im Zentralverein zusammen.

Viel ist über die Geschichte des DZVhÄ nicht bekannt. Denn, so Sprecher Christoph Trapp, 1944 wurde der Sitz des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte, der in diesem Jahr übrigens 125 Jahre alt wird, zerbombt. Hier war damals auch der DZVhÄ untergebracht, und dessen ganzes Archiv ging verloren. Bekannt sind deshalb heute nur die Eckdaten:

1832 erschien die erste Ausgabe der "Allgemeinen Homöopathischen Zeitung", sie ist damit die älteste deutsche Medizinzeitschrift und die zweitälteste der Welt. 1925 entstand mit deutscher Beteiligung die Liga medicorum homoepathica internationalis, also der Weltverband der nationalen homöopathisch-ärztlichen Fachgesellschaften, deren Kongresse bisher viermal vom DZVhÄ ausgerichtet wurden.

In den 1940er Jahren wurde die Zusatzbezeichnung Homöopathie für Ärzte in Deutschland eingeführt. 1990 wurde als europäischer Zusammenschluß nationaler Ärztegesellschaften das European Committee for Homeopathy mit Sitz in Brüssel gegründet, 2001 die Stiftung für Homöopathie und das Europäische Institut für Homöopathie.

Der DZVhÄ ist der Berufsverband einer, so der Verein selbst, "stark anwachsenden homöopathischen Ärzteschaft". Zu seinen Aufgaben zählen etwa Weiterentwicklung und -verbreitung der homöopathischen Heilweise, Vermitteln von homöopathischem Wissen an Ärzte und Medizinstudenten, die Homöopathie-Forschung zu fördern und im Gesundheitswesen die Stellung der Homöopathen zu festigen. Seit 175 Jahren macht sich der Verband für die Homöopathie und homöopathisch arbeitende Ärzte stark.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »