Ärzte Zeitung, 26.05.2004

Vom Leben mit einem behinderten Kind

TV-Film "Engelchen, flieg!", heute in der ARD / Autor beschreibt eigenes Schicksal

Hanna und Michael versuchen mit der Behinderung ihres Kindes fertig zu werden und spüren schon bald die Gefahr, nur noch für ihre Marlene da zu sein. Das Eheleben ist zerrüttet. Das gesunde Brüderchen des behinderten Mädchens sieht sich ins Abseits gedrängt. Die Familie ist in jeder Hinsicht überfordert.

Das Thema ist ernst, dennoch sagt Alexander Wesemann, zuständiger Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk: "Wir wollten keinen durchweg düsteren Film machen. Er hat auch sehr heitere Szenen." Wesemann griff sofort zu, als ihm das Drehbuch zum Film "Engelchen, flieg!", den die ARD heute um 20.15 Uhr ausstrahlt, auf den Tisch kam.

"Natürlich war ich darüber glücklich", sagt Autor Werner Thal. "Aber eigentlich war es mir bei gerade diesem Buch nahezu egal, ob ich es je verkaufen würde." Denn zunächst einmal war es mehr als ein Stück Selbsttherapie gedacht, "und ich muß sagen: Die Arbeit daran hat mir tatsächlich geholfen." Thal schildert sein eigenes Schicksal: Seine Tochter Marlene, das im Film Pauline ist, kam behindert zur Welt, auch er mußte alle Phasen von Trauer, Wut und Enttäuschung durchlaufen.

Für die Produktion und Regisseur Adolf Winkelmann stellte sich die Frage, wie die Rollen, vor allem die Mutter und das Kind, zu besetzen waren. Es wurde sich darauf geeinigt, Marlene das Kind sein zu lassen. Thals Frau, die Schauspielerin Corinna Beilharz, übernahm die Rolle der Mutter, spielte praktisch sich selbst: "Es ist sehr seltsam, gleichsam in die eigene Haut zu schlüpfen und dennoch eine andere zu sein", sagt sie.

Manche schon halb vergessene oder verdrängte Erinnerung an die sieben Jahre mit Marlene drängte da wieder nach oben, "aber mein Mann und ich - er schon beim Schreiben, ich beim Spiel - konnten da auch vieles aufarbeiten", sagt Beilharz. "Vor allem die Erkenntnis: Man darf nun nicht hundertprozentig Vater oder Mutter des betroffenen Kindes sein. Es gibt auch noch anderes, und man ist immer noch der Partner des anderen, in jeder Hinsicht." Den Vater spielt Uwe Ochsenknecht. (dpa)

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