Ärzte Zeitung, 09.06.2004

Wie Blinde mit der Zunge sehen

MONTREAL (ddp). Ihre Zunge könnte Blinden in Zukunft helfen, Bilder zu sehen. Ein internationales Team unter Leitung des Neuropsychologen Maurice Ptito an der Universität Montreal in Kanada hat ein Gerät entwickelt, das Bilder über elektrische Impulse in ein Raster aus 144 Bildpunkten (Pixeln) umwandelt. Diese werden anschließend über die Zunge ans Gehirn weitergeleitet.

Der Blinde muß dazu das kleine Gerät auf die Zunge legen und mit einem leichten Druck gegen den Gaumen drücken, berichtet die Universität Montreal. Die Bildeinheit der "Zungen-Brille" leitet die Informationen zu einem Bereich des Cortex, der bei bestimmten Arten von Blindheit ungenutzt ist. Der Mundspeichel ist dabei ein ideales Medium zur Weiterleitung der elektrischen Impulse.

Das Gerät könne vielleicht bald die Blindenschrift ersetzen, denn es sei bereits möglich, einzelne Buchstaben damit auf der Zunge abzubilden, erläutert Ptito. Auf diese Weise könne ein Sinn des Menschen durch einen anderen ersetzt werden. Großer Vorteil des Geräts ist die einfache Handhabung. So ist für den Einsatz keine Operation nötig. Um mit dem Gerät "sehen" zu können, wird eine Eingewöhnungszeit von nur wenigen Minuten benötigt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »