Ärzte Zeitung, 05.07.2004

Francesco Petrarca, Liebeslyriker und bitterböser Ärzteschelter

Der Urologe Professor Reiner Speck stellt seine Petrarca-Sammlung in Köln aus / Anlaß ist der 700. Geburtstag des italienischen Dichters

Von Klaus Brath

"Triumph der Liebe", eine Miniatur zu Francesco Petrarcas "Trionfi" aus dem Codex der Anne de Polignac, um 1500. Abb.: Museum für Angewandte Kunst, Köln

Wenn von Francesco Petrarca (1304 bis 1374) die Rede ist, herrscht oft völlige Unkenntnis einerseits, höchste Bewunderung andererseits: Unter Kennern gilt Petrarca als Vater des Humanismus, als Urbild des europäischen Intellektuellen, als einer, der den permanenten Wechsel von vita activa und vita contemplativa pries und vorlebte, und vor allem als Meister der Sprachkunst und Liebeslyrik.

Nun gibt es gute Gelegenheit, Petrarca näher kennenzulernen. Aus Anlaß von seinem 700. Geburtstag am 20. Juli ist derzeit im Museum für Angewandte Kunst in Köln die größte Privatsammlung zu Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des italienischen Dichters, Gelehrten und Diplomaten zu sehen, der zudem die wohl größte Privatbibliothek seiner Zeit sein eigen nannte.

Zusammengetragen hat die Sammlung ein bibliophiler Kölner Arzt, der in den letzten Jahren wiederholt mit überregional beachteten Ausstellungen seiner Schätze hervorgetreten ist: Professor Reiner Speck, Urologe, Begründer und Präsident der Marcel-Proust-Gesellschaft und Besitzer einer renommierten Sammlung zeitgenössischer Kunst.

Ein Prunkstück der Speckschen Kunstsammlung, Sigmar Polkes monumentales Gemälde "Cupido" (1997), hängt auch am Beginn der Petrarca-Schau. Polkes in wunderschön schimmernden Farbtönen gestaltetes Bild symbolisiert die Begierde durch den blinden, Pfeil schießenden Cupido. Es ist von einer Buchillustration der italienischen Renaissance angeregt und versinnbildlicht Petrarcas erstaunliche Werk- und Wirkungsgeschichte, die sich von der Tradition der Liebeslyrik im Petrarca-Kult des 15. und des 16. Jahrhunderts bis in unsere Zeit und Kultur fortsetzt.

Im Anschluß an die opulente Schilderung von Petrarcas Lebensstationen und Wirkungsorten, darunter seinem begeisterten Köln-Besuch von 1333, dokumentiert die Schau Petrarcas Werk und Briefliteratur in kostbaren, buchkünstlerisch hochrangigen und seltenen Ausgaben. Im Museum besteht die Möglichkeit, in ausgewählten Werken in digitalisierter Form zu lesen.

 
"Zu Recht gilt Francesco Retrarca bis heute als einer der profiliertesten und nachhaltigsten Medizinkritiker der europäischen Kulturgeschichte."
 
Professor Klaus Bergdolts
Medizinhistoriker aus Köln

In der berühmten Gedichtsammlung "Canzoniere" schilderte Petrarca in Versen voller Musik und Schwärmerei die unerfüllte Liebe des lyrischen Ichs zu seiner Laura. In den ebenfalls im volkssprachlichen Italienisch verfaßten "Trionfi" entwarf er Visionen von allegorischen Triumphzügen (Triumph der Liebe, des Todes), die von Renaissance-Künstlern besonders prächtig illustriert wurden. Auch Petrarcas "Trostbuch", ein Moraltraktat über den Seelenfrieden in Glück und Unglück, verdankt seine weite Verbreitung teils seinen prägnanten Buchillustrationen.

Die Eröffnung der fein aufbereiteten, informativen Ausstellung wurde von einem Internationalen Petrarca-Symposium begleitet. Dort referierte der Kölner Medizinhistoriker Professor Klaus Bergdolt über Petrarcas Kritik einer scholastischen Medizin und über seine bitterböse Ärzteschelte, die er in seinen "Invectivae contra medicum quendam" und in einem berühmten Brief an den erkrankten Papst Clemens VI. losgelassen hatte.

Bergdolts versöhnliches Fazit im reich illustrierten Begleitbuch zur Ausstellung: "Zu Recht gilt Francesco Petrarca bis heute als einer der profiliertesten und nachhaltigsten Medizinkritiker der europäischen Kulturgeschichte."

Die Ausstellung "Triumph der Liebe. Dem Dichter Petrarca zum 700. Geburtstag" ist bis zum 25. Juli im Museum für Angewandte Kunst in Köln zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17, mittwochs bis 20 Uhr. Weitere Infos im Internet unter: www.museenkoeln.de

Begleitbuch: Reiner Speck, Florian Neumann (Hg.): Petrarca. 1304-1374. Werk und Wirkung im Spiegel der Biblioteca petrarcchesca Reiner Speck. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln. 496 Seiten, 48 Euro.

Topics
Schlagworte
Panorama (30669)
Organisationen
Spiegel (1062)
Personen
Klaus Brath (49)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »