Ärzte Zeitung, 19.07.2004

ZUR PERSON

"Groß als Arzt, als Forscher, als Lehrer und als Mensch"

Von Ursula Gräfen

"Groß als Arzt, als Forscher, als Lehrer und als Mensch", hat einst der Heidelberger Internist Professor Gotthard Schettler über seinen alten Lehrer Professor Hans Erhard Bock gesagt. "Eine der großen Arztpersönlichkeiten der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts", nennt ihn jetzt der Freiburger Hepatologe Professor Wolfgang Gerok, ebenfalls ein Schüler von Bock, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Hans Erhard Bock, der Nestor der deutschen Inneren Medizin, ist in der letzten Woche im Alter von 100 Jahren in Tübingen gestorben.

Auch als 100jähriger hat Bock es sich nicht nehmen lassen, die Eröffnungsfeier des diesjährigen Internistenkongresses zu besuchen. Er ging zwar langsam am Arm seiner Tochter, aber sein hohes Alter war ihm nicht anzumerken. Mit anhaltendem Applaus wurde er empfangen.

Hans Erhard Bock, geboren am 31. Dezember 1903 in Waltershausen in Thüringen, wollte schon als Kind Arzt werden. Sein Vorbild war der kompetente Hausarzt der Familie. Bock studierte Medizin in Marburg, wo er auch die Abschlußprüfung als Turn- und Sportlehrer ablegte, München, Jena, Bonn und Hamburg. In Frankfurt am Main habilitierte er sich. Er war beratender Internist der Luftwaffe während des Kriegs, Oberarzt an den Universitätskliniken Tübingen und Berlin und von 1948 bis 1962 Professor für Innere Medizin an der Uni Marburg. Ab 1962 bis zu seiner Emeritierung arbeitete Bock an der Uniklinik Tübingen.

Bocks "zentrales Anliegen, das er täglich vorgelebt hat, war der Primat der Krankenbetreuung", erzählt sein Schüler Gerok, selbst schon emeritiert. "Dies bedeutete für ihn persönliche Zuwendung zum Kranken und Offenheit für dessen Nöte, Leiden und Ängste. Wer Hans Erhard Bock außerhalb der Klinik in seiner kurzen, stakkatoartigen Sprechweise und prägnanten Diktion erlebte, war überrascht, wie er den Kranken zuhören und das Gespräch durch Aufmunterung und Zuspruch, klare Weisung und Tröstung der Situation des Kranken anpassen konnte."

Ein weiteres Hauptanliegen von Hans Erhard Bock war, seine Auffassung vom ärztlichen Auftrag an jüngere Ärzte weiterzugeben. Bock war ein großer ärztlicher Lehrer und Begründer einer der größten Schulen der Inneren Medizin. Neun Ordinarien sind aus ihr hervorgegangen. "Das Pädagogische des Berufs war mir stets wichtig", sagte Bock denn auch in einem Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" im Dezember.

Als "frohgemut, bei gebremster Leistungsfähigkeit" hat der 100jährige sein Lebensgefühl beschrieben. Vor einer Woche ist er gestorben, nachdem er sich zwei Gedichte hat vorlesen lassen.

Topics
Schlagworte
Panorama (30165)
Personen
Ursula Gräfen (72)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »