Ärzte Zeitung, 15.09.2004

IM GESPRÄCH

WHO-Report: In Darfur sterben jeden Monat bis zu 10 000 Menschen

Von Pete Smith

In der sudanesischen Krisenregion Darfur sterben sechs Monate nach Beginn der humanitären Hilfe mehr Menschen als befürchtet. Das geht aus einem Report hervor, den die Weltgesundheitsorganisation in Genf vorgelegt hat. Beunruhigend nannte der WHO-Beauftragte David Nabarro die hohe Sterblichkeitsraten und forderte in einem dringenden Appell, die Hilfsbemühungen zu verstärken.

Laut WHO-Angaben haben insgesamt 1,2 Millionen Bewohner der sudanesischen Darfur-Region ihre Häuser verlassen. Derzeit sind sie in 129 Flüchtlingscamps untergebracht. In manchen Provinzen im Westen Darfurs sterben von 10 000 Menschen täglich fast drei, pro Monat sind es 6000 bis 10 000 Tote. Hauptursache sind Durchfallerkrankungen, wovon wiederum vor allem Kinder unter fünf Jahren betroffen sind.

Noch immer verfügten viele Flüchtlinge weder über sauberes Wasser, noch könnten sie Latrinen benutzen, so die WHO. In den Monaten, da die sudanesische Regierung die Visa-Bestimmungen für ausländische Helfer gelockert und UN-Organisationen stärker unterstützt habe, seien insgesamt 30 000 Latrinen installiert worden. 900 000 Menschen habe man mit Lebensmitteln versorgen können, 700 000 hätten nun Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die 127 Gesundheitsstationen in der Region erreichten insgesamt 950 000 Flüchtlinge.

Im Juni dieses Jahres seien zwei Millionen Kinder gegen Masern geimpft worden, eine Aktion, die die Kindersterblichkeit in Darfur deutlich gesenkt habe, berichtete der WHO-Beauftragte Dr. Hussein Gezairy. Man habe also gesehen, daß solche Anstrengungen fruchten. "Aber es erfüllt mich mit Sorge zu hören, daß zur Unterstützung der Menschen in Darfur nur halb so viel gespendet wird, wie nötig wäre", so Gezairy.

Als Hauptprobleme bezeichnet die WHO außer Geldmangel den anhaltenden Regen, der den Transport der Hilfsgüter erschwere, sowie die Sicherheitslage. Seit mehr als einem Jahr wird die überwiegend schwarzafrikanische Bevölkerung von Darfur von arabischen Milizen attackiert. Internationale Appelle an die sudanesische Regierung, konsequenter gegen die Reitermilizen vorzugehen, sind bislang ignoriert oder nur halbherzig befolgt worden.

Die Europäische Union hat der Regierung jetzt mit Sanktionen gedroht. Welcher Art diese sein könnten, wurde nicht konkretisiert. Anders als die US-Regierung sprechen die Europäer hinsichtlich der Vorgänge in Darfur nicht von einem Genozid. Eine Delegation von Amnesty International wurde gestern in Darfur erwartet.

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