Ärzte Zeitung, 12.10.2004

Weltgrößte Bücherschau war auch eine Fundgrube für Ärzte

Die Frankfurter Buchmesse wartete in diesem Jahr mit vielen interessanten Neuerscheinungen und Neuauflagen bewährter Fachbücher auf

Ein Mann blättert auf der Buchmesse in Frankfurt in einem Buch, während der Besucherstrom an ihm vorbeifließt. Foto: dpa

Von Thomas Meißner

Bücher über Bücher, umgeben von Menschentrauben, und langsam sich an den Ständen entlang windenden Schlangen: Das erlebt man höchstens einmal im Jahr, auf der Frankfurter Buchmesse. Bei den medizinischen Fachverlagen ging es naturgemäß etwas ruhiger und nüchterner zu. Sie warteten nicht nur mit Neuauflagen bewährter und beliebter Fachliteratur auf, sondern auch mit interessanten Neuerscheinungen.

Ärzte und Medizinstudenten gleichermaßen wurden bei Springer fündig. Der Verlag, zu dem auch die "Ärzte Zeitung" gehört, hat etwa einen neuen Anatomie-Atlas herausgebracht, der mit einem sehr frischen und modernen Konzept daherkommt. Zusätzlich gibt es noch einen neuen Physiologie-Band und, für die fortgeschrittenen Semester, ein dickes Paukbuch zur Vorbereitung aufs zweite Staatsexamen - Werbung: "In 150 Tagen streßfrei zum 2. StEx". Inhalte und Didaktik aller drei Neuerscheinungen wurden der veränderten Approbationsordnung angepaßt.

Den Pschyrembel gibt es jetzt auch als Online-Version

Pschyrembel, die 260. - einmal mehr gibt es eine Neuauflage des beliebten klinischen Wörterbuchs aus dem de-Gruyter-Verlag. Allen, die keine Lust mehr haben, sich alle zwei Jahre einen neuen Band ins Regal zu stellen und trotzdem stets up-to-date sein möchten, steht das Lexikon jetzt auch im Internet zur Verfügung (www.pschyrembel.de). Das Jahresabo gibt es für knapp 30 Euro, klinisches und therapeutisches Wörterbuch zusammen kosten jährlich einen Fünfziger. Ganz neu bei de Gruyter ist auch die schwergewichtige "Enzyklopädie Medizingeschichte".

Mit einem Novum bei medizinischen Lehrbüchern wartet der Schattauer-Verlag auf. Dort hat man das gesamte Stoffgebiet der Medizin von den Grundlagen bis zu Klinik visualisiert und in einen einzigen Band gepackt - ebenfalls nichts für dünne Bücherborde. Mit Grafiken, Bildern, Tabellen und Übersichten soll alles vollständig dargestellt sein, angefangen bei den Bausteinen des Lebens, seinen physikalischen und chemischen Grundlagen, Anatomie, Histologie bis hin zu Maßeinheiten, Laborwerten und und und ... Ob man so etwas braucht - wer weiß? Zweifellos vermittelt die Platzierung eines solchen Werkes auf dem Schreibtisch das Gefühl, für jede medizinische Frage genügend Fakten zur Verfügung zu haben.

Der alte, kranke Mensch sowie Pflegethemen waren Schwerpunkte bei manchen Verlagen. So bietet Steinkopff aus Darmstadt mit "Geriatrische Kardiologie", "Diabetes und Herz" (450 Seiten!!) und "Medizin des Alterns und des alten Menschen" umfassende Neuerscheinungen zu diesen speziellen Problemen an.

Die Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft in Stuttgart hat mit "Wundmanagement" einen illustrierten Leitfaden für die Wundversorgung herausgebracht, welcher mit dem Taschenbuch "Wundauflagen" ergänzt werden kann. Sein Kitteltaschenbuch-Sortiment hat der Stuttgarter Verlag ebenfalls weiter vervollständigt, etwa mit einer Ausgabe zur Schmerztherapie.

Für die Behandlung und Pflege Brandverletzter gibt es auf dem deutschen Buchmarkt nicht unbedingt einen Überfluß an Literatur. Diese Lücke hat die Krankenschwester und Pflegemanagerin Petra Krause-Wloch gemeinsam mit 28 Autoren gefüllt. Ihr Buch "Brandverletzt" ist beim Schulz-Kirchner-Verlag in Idstein erschienen und soll ein Leitfaden sein sowohl für mittleres medizinisches Personal als auch für Ärzte.

Bei Thieme gibt es mal wieder neue "Innere"-Bücher zur Vorbereitung auf die Facharztprüfung sowie den dicken Wälzer "Ernährungsmedizin", welcher auf einem Curriculum der Bundesärztekammer beruht. Nicht unerwähnt bleiben darf das Kursbuch "Traditionelle Chinesische Medizin". Parallel zur Verbreitung dieser Neuerscheinung soll unter www.dgtcm.de ein virtueller Hörsaal zur Vertiefung der Thematik entstehen.

Problemorientiertes Lernen anhand von 81 Patienten

Daß Pauken auch richtig Spaß machen kann, beweist Homayun Gharavi-Nouri mit seinem Werk "Ambulanz live - 81 Patienten und ich", erschienen bei Urban & Vogel. Damit will der Autor das beisteuern, was der deutschen Medizinerausbildung nach wie vor meist fehlt: Praxisbezug. Problemorientiertes Lernen anhand von 81 Patienten, die auf ihre Diagnose warten, gewürzt mit einer kräftigen Dosis Humor, das ist der Inhalt. Wer danach süchtig wird, für den gibt's gleich noch einen zweiten Band mit weiteren 98 Patienten-Anamnesen, Untertitel: "...und der Streß geht weiter". Das ist mit Sicherheit Eustreß. Und ein Weihnachtsgeschenk-Tip dazu.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.buchmesse.de

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