Ärzte Zeitung, 28.10.2004

"Monumenta Asservanda" bringt Licht ins Dunkel

Der Lübecker Medizinhistoriker Dr. Peter Voswinckel sichtet, dokumentiert und archiviert Nachlässe von Medizinern

Dr. Peter Voswinckel in seinem Büro in Lübeck, wo er Nachlässe von Medizinern aufarbeitet. Foto: di

Von Dirk Schnack

Aufzeichnungen über Vorlesungen in den 30er Jahren, Gespräche mit Politikern in der Nachkriegszeit, Notizen über die Tätigkeit als Universitätspräsident: Die Lebenserinnerungen des 2001 gestorbenen Professor Gerd Griesser wären vielleicht nie über sein Arbeitszimmer hinausgekommen, wenn nicht seine Witwe Professor Frowine Leyh-Griesser Dr. Peter Voswinckel mit dem Aufarbeiten des Manuskriptes beauftragt hätte.

Medizinhistoriker Voswinckel hat sich vor einem halben Jahr selbständig gemacht. "Monumenta Asservanda" (aufzubewahrende Erinnerungsstücke) heißt sein Büro für Geschichte und Schreibwerk, mit dem der Lübecker eine in Deutschland wohl einmalige Dienstleistung anbietet: Er sichtet, erschließt, dokumentiert und archiviert Privat- und Familienarchive von Medizinern.

"Die Angehörigen wissen oft nicht, was sie mit den vielen Unterlagen im Arbeitszimmer des Verstorbenen anfangen sollen. Ich ordne und bewerte das und bringe das in gebundene Form", erklärt Voswinckel. Zum Teil werden ihm prall gefüllte Arbeitszimmer überlassen, manchmal einfach nur Kartons voller Unterlagen übergeben.

Nach der ersten Sichtung ist sowohl handwerkliche Arbeit als auch sein Wissen als Medizinhistoriker gefragt. Denn die Recherche und Einordnung bestimmter Themen aus dem Medizinbereich zurückliegender Jahrzehnte ist bei manchen Aufträgen sinnvoll und erwünscht, um späteren Lesern das Verständnis zu erleichtern.

Von Frowine Leyh-Griesser in Lübeck erhielt Voswinckel einen Doppelauftrag. Die Professorin schaltete ihn zunächst ein, um ihre vielen eigenen Veröffentlichungen und Sonderdrucke zu archivieren. Voswinckel machte sich an die Arbeit und brachte nach der Sichtung die unterschiedlichen Formate der Publikationen auf eine einheitliche Größe und ordnete sie chronologisch.

Dann erstellte er ein umfangreiches Namensverzeichnis. Das über 600 Seiten starke Werk ließ er dann mehrfach kopieren und binden. Die Auftraggeberin stellte auch der Universität Exemplare zur Verfügung. "Das erleichtert nachfolgenden Generationen die Recherche", sagt Voswinckel.

Ähnlich ging er an die Lebenserinnerungen von Professor Gerd Griesser heran. Dessen Aufzeichnungen dürften zumindest für Schleswig-Holstein interessant sein: Griesser war von 1979 an Präsident der Kieler Christian-Albrechts-Universität und Ehrensenator der Medizinischen Universität Lübeck, seine Erinnerungen umfassen mehrere Jahrzehnte regionaler Medizingeschichte.

Voswinckel, der zuvor zwölf Jahre lang als Medizinhistoriker an der Medizinischen Uni in Lübeck geforscht hatte, stößt bei seiner Arbeit auch auf handschriftliche Eintragungen in deutscher Schrift, die er für die Nachfahren in anderen Ländern übersetzt, oder auf alte Diplome, deren Bedeutung er einordnen kann.

Als Zielgruppe für seine Dienstleistung sieht er in erster Linie Angehörige von verstorbenen Medizinern, aber auch Ruheständler, die ihr eigenes Werk nicht selbst aufarbeiten wollen. Das Honorar für seine Tätigkeit richtet sich nach dem Umfang, dem Schwierigkeitsgrad und den geleisteten Vorarbeiten. Sein Spektrum umfaßt auch Recherchen, biographische Auskünfte, Hilfestellung bei der Familienforschung sowie Redigieren, Schreiben und Lektorieren.

Eine klare Abgrenzung aber zieht Voswinckel doch: "Biographien schreibe ich nicht."

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