Ärzte Zeitung, 11.01.2005

Die schwierige Rückkehr zum Alltag

Die Menschen an Sri Lankas Küste bauen ihre Dörfer wieder auf / Die ersten Fischer wagen sich wieder aufs Meer

GALLE (dpa). Bagger räumen Schutt zur Seite, Laster karren Kies heran, an den Ruinen ziehen Überlebende wieder erste Mauern hoch. Die Flutwellen haben vielen Menschen in Sri Lanka alles geraubt - bis auf ihren Mut. An der Küste von Galle wird unermüdlich aufgeräumt. Hunderttausende Sri Lanker werden lange auf Unterstützung angewiesen sein. Nach der Notversorgung werden sie Hilfe dabei brauchen, ihre Häuser und ihre Existenz neu aufzubauen - und ihr Leben neu zu beginnen.

Aufräumarbeiten im Süden Sri Lankas: Internationale Helfer sind von dem Elan der Bevölkerung beim Wiederaufbau beeindruckt. Foto: dpa

"Einen Hilfsarbeiter kostet ein Sack Zement einen Tageslohn, denen fehlt das Geld dafür", sagt der Schweizer Jürk Spirk, der im Dorf Mirhipenna nahe Galle Strandhütten vermietete, bis die Flut kam. "Die ersten zwei, drei Tage haben wir nicht gewußt, wo wir mit dem Aufräumen starten sollen - oder ob wir überhaupt beginnen sollen." Noch sind viele Häuser zertrümmert, doch es gibt wieder Strom, die Küstenstraße ist freigeräumt. Überall wird gearbeitet.

"Ich bin schwer beeindruckt", sagt Max Berthold, Einsatzleiter des Technischen Hilfswerks bei Galle. Es sei bemerkenswert, mit welchem Elan die Menschen den Wiederaufbau angingen. "Ich kann mir nicht vorstellen, daß es bei uns schneller wäre." Doch selbst wenn die Häuser irgendwann wieder aufgebaut oder repariert sind - die Menschen werden Arbeit brauchen, um über den Schock hinwegzukommen, und ein Einkommen, um überleben zu können.

Etliche Boote sind zerstört, die Fischer haben keine Netze mehr. Sie sind verängstigt, die See, die sie gut zu kennen meinten, hat ihnen Tod und Zerstörung gebracht. Wegen der vielen Leichen im Meer, so heißt es an der Küste, wolle man erstmal keinen Fisch essen. Doch immerhin, Zeichen der Hoffnung gibt es. Die ersten Fischer aus Galle sind wieder aufs Meer gefahren und haben ihre Netze ausgeworfen. Eine Gruppe Ausländer hat versprochen, ihnen den Fang abzukaufen.

Auch die Tourismusindustrie ist sehr hart getroffen - die Küste lebte von den Urlaubern. Sumith Shelton etwa betrieb eine Tauchschule in Unawatuna, der Strand galt vor der Katastrophe als einer der schönsten der Welt. Den Wiederaufbau will der Sri Lanker in einem Monat abschließen, wie es dann weitergehen soll, weiß er nicht.

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