Ärzte Zeitung, 08.02.2005

Genchip soll biologische Kampfstoffe identifizieren

Entwicklung des Chips bis Ende 2006 geplant / Auch genetisch manipulierte Erreger lassen sich damit nachweisen

BERLIN (gvg). Der US-amerikanische Genchiphersteller Affymetrix will einen DNA-Chip zur Schnelldiagnose von biologischen Kampfstoffen entwickeln. Mit dem Chip sollen sich gleichzeitige 26 verschiedenen Bakterienarten, zehn Virenarten und Hunderte von Viren-Unterarten identifizieren lassen.

Im Vergleich mit Einzeltests soll der Chip wesentlich schneller Ergebnisse liefern. Zudem lassen sich bei Anschlägen mit einem Erreger-Gemisch mehrere Krankheitserreger in einem einzigen Testdurchgang erkennen.

Der Chip soll zum einen natürlich vorkommende Keime wie den Milzbranderreger, das Botox-Bakterium Clostridium botulinum, den Pesterreger Yersinia und die Viren Lassa, Ebola und Marburg erkennen. Zusätzlich sollen auch gentechnisch veränderte oder neu entworfene Erreger durch den Test identifiziert werden. Dafür werden bestimmte DNA-Sequenzen auf den Chip aufgetragen. Diese sollen Gen-Sequenzen erkennen, mit denen Erreger durch Genmanipulation gefährlicher gemacht werden können, teilt das Unternehmen mit. Dazu gehören etwa Antibiotikaresistenz-Gene.

Als Testmedien sollen sich Speichel-, Blut- oder Urinproben eignen. Vorbereitung und Auswertung der Proben sollen maximal vier Stunden dauern. Geplant ist, den Chip bis Ende 2006 zu entwickeln. Zu den Problemen, die noch gelöst werden müssen, zählen die Aufbereitung der Proben und die Auswahl jener Gensequenzen, die bei der Diagnostik die verläßlichsten Ergebnisse liefern. Das Vorhaben wird von der US-Regierung mit 2,1 Millionen US-Dollar unterstützt und erfolgt in Kooperation mit dem Pariser Institut Pasteur.

Zusammen mit Roche Diagnostics hat Affymetrix im Herbst 2004 ein Test auf Varianten des Gens für das Stoffwechselenzym Cytochrom P450 auf den Markt gebracht (die "Ärzte Zeitung" berichtete). Der Chip kann helfen, bestimmte Arzneien individuell zu dosieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »