Ärzte Zeitung, 15.02.2005

Clown-Doktoren - mehr als Unterhaltung oder Kinderkram

Zweimal in der Woche besuchen Clown-Doktoren kranke Kinder im Olgahospital in Stuttgart / Oft brauchen Eltern die Clowns noch dringender

Der Krankenhaus-Clown PaPüff alias Vera Badt und die neunjährigen Natalie Vater strecken die Zunge raus. Fotos: dpa

Von Stephanie Reuter

Dienstagnachmittags steht die Visite im Stuttgarter Olgahospital unter einem ganz besonderen Stern: Statt des Stationsarztes betritt der Klinik-Clown PaPüff - ausgestattet mit einem etwas schräg klingenden Akkordeon und allerlei Zauber- und Jonglage-Utensilien - die Krankenzimmerbühne.

Nasenspitze sowie Wangen und Mund der Clownsfrau erstrahlen in leuchtendem Rot, dazu trägt sie einen schrägen Hut und ein kunterbuntes Kostüm - die kleinen Patienten sind sofort begeistert. "Du siehst so lustig aus", prustet die achtjährige Drenusha kichernd los.

Krankenhaus-Clown PaPüff (Vera Badt) besucht die neunjährige Natalie Vater im Olgahospital.

Seit mittlerweile sechs Jahren kommen jeden Dienstag und Donnerstag Clown-Doktoren ins Olgäle, wie die Stuttgarter ihre Kinderklinik liebevoll nennen. Die Spaßmacher unterstützen jedoch nicht nur den Heilungsprozeß der kleinen Patienten: "Manchmal brauchen mich die Eltern viel dringender als die Kinder. Durch die Vorführung können sie den oftmals anstrengenden Klinikalltag für einen Moment vergessen und einfach mal wieder gemeinsam mit ihrem Kind lachen", sagt Vera Badt alias PaPüff.

Die Clowns öffnen allerdings nicht alle Zimmertüren. Welche Patienten mit der "Pippi-Langstrumpf"-Hymne begrüßt werden und in den Genuß von Clown-Knödeln aus Sauerkraut und Erdbeeren kommen, verrät ein kleines schlaues Buch. In dieses schreiben die Stations-Erzieherinnen Namen, Alter und Besonderheiten der Patienten, für die eine Aufheiterung besonders wichtig erscheint.

Keine Vorführung gleicht der nächsten. PaPüff weiß, daß die kleinen Patienten besonders sensibel sind und die Show individuell an die Bedürfnisse angepaßt werden muß. "Unser Besuch ist zwar eine willkommene Abwechslung und Überraschung, darf die Kleinen aber nicht überrumpeln. Im Krankenhaus muß ich viel mehr lauschen als bei einer normalen Vorstellung." Ist die Show allerdings erst einmal gestartet, jagt ein Gag den nächsten.

"Ich glaube, deine Mutti hat Nasenfieber", sagt die Clown-Doktorin zu Jasmin. Das zierliche Mädchen bekommt einen Lachanfall und kann sich kaum noch auf dem Bett halten. Klar, daß PaPüff die Anti-Nasenfieber-Medizin sofort herbei zaubert: ein Wasserzerstäuber, der Mutti das Heilmittel ins Gesicht und in die Ohren sprüht.

Im nächsten Zimmer ist Zaubern angesagt. Der zehnjährige Manuel ist anfangs skeptisch, und sein sechzehnjähriger Bettnachbar tut den Quatsch als Kinderkram ab. Doch dann beginnt die Klinik-Clownin mit einem Seiltrick, und sogleich werden die Augen der Jungs immer größer.

Finanziert wird die Arbeit der drei psychologisch geschulten Clown-Doktoren von der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind, die 1997 unter der Schirmherrschaft von Carl Herzog von Württemberg gegründet wurde.

Daß Lachen wahre Wunder bewirkt, ist unbestritten. Mehr als 300 Muskeln soll es ansprechen, Schmerzen lindern, das Immunsystem stärken. Zudem werden bei einem spontanen Lachanfall Endorphine ausgeschüttet. So ist es für Tatja Valentin, Pflegedienstleiterin im Olgahospital, auch nicht verwunderlich, daß die Clown-Doktoren nun auch die Altenheime erobern: "Warum soll die Lachtherapie, die wir unseren kleinen Patienten verordnen, nicht auch für 80- oder 90jährige gesund sein?"

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