Ärzte Zeitung, 07.03.2005

"Das Meer in mir": Querschnittsgelähmter Mann kämpft für einen würdevollen Tod

Alejandro Amenábars oscarprämiierter Film ist Gefühlskino ohne Kitsch und Pathos

Julia (gespielt von Belen Rueda) hilft dem querschnittsgelähmten Ramon (Javier Bardem) beim Zigarette rauchen: Szene aus dem Film "Das Meer in mir". Foto: dpa

Von Susanne Schmetkamp

Keine Antworten, wohl aber einen bemerkenswerten Beitrag zur kontroversen Diskussion über Sterbehilfe liefert der Film "Das Meer in mir" ("Mar adentro") des spanischen Regisseurs Alejandro Amenábar. Erst vor wenigen Tagen bekam das aufwühlende Werk den Oscar für den besten fremdsprachigen Film (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Die Geschichte erzählt den authentischen Fall des Spaniers Ramón Sampedro, der nach einem Badeunfall im Alter von 25 Jahren vom Hals abwärts gelähmt ist. Nur den Kopf, die Augen und den Mund kann er noch bewegen. Der Querschnittgelähmte, herausragend gespielt von Javier Bardem, empfindet sein Leben in vollständiger Abhängigkeit von seinen Mitmenschen als würdelos und strebt nach nichts anderem als dem Tod. Fast 30 Jahre führt er einen couragierten Feldzug gegen die spanische Justiz, um nach eigenen Vorstellungen sterben zu dürfen.

"In diesem Moment hätte ich sterben sollen", erinnert sich Ramón in einer der bewegendsten Szenen des Films, als dem Zuschauer der Unfall - ein Kopfsprung von den Klippen ins flache Meer - vor Augen geführt wird. Unterstützung in seinem Kampf erfährt der charmante und selbstironische Mann von Frauen, die ihn pflegen und lieben: von seiner Schwägerin Manuela (Mabel Rivera), von Gené (Clara Segura), die die "Gesellschaft für würdiges Sterben" vertritt, von der Anwältin Julia (Belén Rueda) und von Rosa (Lola Dueñas), die Ramón die Freude am Leben zurückgeben will und schließlich zur Schlüsselfigur für ihn wird.

Der Film des 32jährigen Amenábar ("The Others", "Open Your Eyes") sei ein Meisterwerk, sagte Regisseur Oliver Hirschbiegel, dessen Film "Der Untergang" mit "Das Meer in mir" um den Oscar für die beste Auslandsproduktion konkurrierte. "Dem gönne ich das wirklich", so Hirschbiegel.

Zum Meisterstück wird die Geschichte um Ramón nicht zuletzt durch den charismatischen Hauptdarsteller Javier Bardem, der zuvor durch seine Darstellung des kubanischen Schriftstellers und Homosexuellen Reinaldo Arenas in "Before Night Falls" (2000) bekannt wurde. "Das Meer in mir" ist eine Geschichte über Liebe und die Fähigkeit, das aufzugeben, was wir zu besitzen wünschen", sagte der 36jährige über seine Rolle.

Wie schon in seinen anderen Filmen zeigt Amenábar auch hier sein Faible für Metaphern. Das Meer steht für die Freiheit, die Ramón verloren ging und für die Unendlichkeit, die ihm der Tod verspricht. Neben den Meeresbildern sind es Landschaftsaufnahmen Galiziens, die von einer beeindruckenden Symbolik sind. Der Film, der schon viele Auszeichnungen erhalten hat, ist Gefühlskino ohne Kitsch und Pathos. Amenábar liefert kein Plädoyer für Euthanasie, sondern beleuchtet das Thema Sterbehilfe in packender Weise von vielen Seiten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »