Ärzte Zeitung, 16.03.2005

"Doch Tim lebt" - TV-Film über Spätabtreibung

Die ARD zeigt heute abend eine Reportage über eine Spätabtreibung und ihre Folgen

HAMBURG (dpa). "Er sollte sterben - doch Tim lebt" ist der Titel einer Reportage, die die ARD heute abend um 23.40 Uhr ausstrahlt. Darin erzählen die WDR-Autoren Gisela und Udo Kilimann die Geschichte einer Spätabtreibung und ihrer Folgen.

Heute ist er sieben und lebt in einer Pflegefamilie: Tim hat Down-Syndrom und sollte abgetrieben werden. Foto: WDR

Als Tims Mutter im sechsten Monat schwanger war, diagnostizierten die Ärzte das Down-Syndrom. Die Frau wollte das behinderte Kind auf keinen Fall zur Welt bringen und drohte mit Selbstmord. Daraufhin erhielt ein junger Assistenzarzt die Anweisung, die Schwangerschaft durch Einleitung einer Frühgeburt abzubrechen. Dies war eigentlich gleichbedeutend mit dem Todesurteil für das Kind, doch der kleine Tim kam lebend zur Welt.

Da niemand damit rechnete, daß er überleben würde, ließ man ihn neun Stunden lang ohne intensive ärztliche Behandlung liegen. Diese Umstände führten zu weiteren körperlichen Schäden an Gehirn, Lunge und Augen. Über Monate stand sein Leben auf der Kippe. Tims leibliche Eltern blieben bei ihrer Entscheidung: Sie wollten nichts mit ihm zu tun haben.

Nach einem halben Jahr fand sich eine Pflegefamilie, die Tim aufnahm. Dort lebt der inzwischen Siebenjährige noch heute. Sein Pflegevater: "Der Junge könnte es viel besser haben, wenn die Spätabtreibung nicht gewesen wäre."

Auch für den Arzt, der die Abtreibung vornahm, ist der Fall noch nicht erledigt. Er wurde kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilt, aber nicht wegen der - legalen - Spätabtreibung, sondern wegen unterlassener Hilfeleistung danach. Der Mediziner sagt über sein Dilemma: "Erst sollte ich das Kind umbringen, um die Mutter zu retten. Dann sollte ich alles tun, um Tim am Leben zu halten. Dabei hatte ich ihn durch die Abtreibung doch schwer geschädigt."

Der Film stellt die Zulässigkeit von Spätabtreibungen im sechsten Monat in Frage. Die Autoren verweisen darauf, daß Ungeborene in diesem Alter längst als lebensfähig gelten und oft alle medizinische Kunst aufgewendet werde, um solche Frühchen zu retten. Da könne man ein ungeborenes, behindertes Kind nicht einfach sterben lassen.

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