Ärzte Zeitung, 07.04.2005

Totenmasken sollen die Erinnerung an die Verstorbenen wachhalten

Etwa 150 Bestatter in Deutschland bieten Gesichtsabgüsse der Toten an / Bei 800 Euro pro Abdruck ist die Nachfrage jedoch nicht sehr groß

Von Dietmar Telser

Der erste Tote war gleich ein schwieriger Fall. So kalt sei der Leichnam gewesen, erinnert sich Thomas Katins vom Beerdigungsinstitut Stühmer in Bremen, daß die Totenmaske gar nicht trocknen wollte. Zwei Stunden habe er in der Aufbahrungskapelle gewartet, bis der Gesichtsabdruck des alten Mannes endlich fertig war. "So eine Maske anzufertigen, das ist schon mehr, als nur ein bißchen Gips aufzutragen", sagt er.

Seit November 2004 fertigt das Unternehmen auf Wunsch Gesichtsabgüsse von Gestorbenen an. Bundesweit bieten etwa 150 Bestatter diesen Service an, schätzt der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter in Düsseldorf, Rolf Lichtner.

Bei Stühmer werden Masken aus Gips oder Bronze angeboten. Thomas Katins macht dabei zunächst ein Foto von dem Toten. So können später Falten oder Barthaare exakt nachgeformt werden. Mit einer Spritzdüse trägt er dann eine Silikonmasse auf. "Das Material hinterläßt dabei kaum Spuren auf dem Körper", sagt er. Bei normalem Gips entstehe dagegen Staub, Haare des Toten würden verklebt, Rückstände könnten sich in den Hautporen festsetzen.

Die getrocknete Silikonmaske wird als "Positiv" an das Institut "Körper & Form" in Solingen geschickt, wo es ausgegossen und bearbeitet wird. Das Erinnerungsstück kommt schließlich per Post zu den Kunden.

Die Tradition dieser Form des Erinnerns an Tote ist uralt. Bereits im achten Jahrtausend vor Christus wurden nach den Forschungen von Archäologen Totenschädel in Gips modelliert.

Als Augen wurden Muscheln eingesetzt. Im alten Rom dienten die Abdrücke als Vorlagen für Steinbüsten. Professionelle Darsteller trugen die Masken bei der Trauerprozession. In Ägypten wurden Totenmasken aus Gold angefertigt und sollten der Seele des Verstorbenen helfen, den alten Körper wieder zu erkennen.

Auch in Deutschland haben Totenmasken eine lange Tradition. Von Reformator Martin Luther wurde ebenso eine angefertigt wie vom preußischen König Friedrich dem Großen, den Dichtern Friedrich Schiller und Heinrich Heine oder vom Komponisten Ludwig van Beethoven.

Über die heutige Nachfrage gibt es keine verläßlichen Angaben. Bekannt ist, daß zum Beispiel von Beate Uhse, der Gründerin des gleichnamigen Erotikkonzerns, auf diese Weise ein letztes Bildnis erstellt wurde. Insgesamt ist die Nachfrage nach Schätzung des Bestatterverbandes aber sehr begrenzt.

"Totenmasken haben in unserer Erinnerungskultur wenig Platz", meint Generalsekretär Lichtner. Vielleicht liegt es auch am Preis. Bestatter Volker Stühmer: "Mindestens 800 Euro müssen für einen Abdruck bezahlt werden."

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