Ärzte Zeitung, 23.08.2005

Erkältungsprobleme, Erschöpfungszustände und Wehen

Weltjugendtag in Köln / Hilfsorganisationen und Landespolitiker ziehen eine positive Bilanz / Meist nur leichte gesundheitliche Störungen

Von Anja Krüger

Hilfsorganisationen und nordrhein-westfälische Landespolitiker ziehen eine positive Bilanz des Besuches von Papst Benedikt XVI. beim katholischen Weltjugendtag in Köln. "Das Land hat die Generalprobe für die Fußballweltmeisterschaft 2006 hervorragend gemeistert", sagte NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP). Schwerwiegende medizinische Notfälle waren beim Weltjugendtag und der Abschlußmesse mit dem Kirchenoberhaupt die Ausnahme.

Kreislaufkollaps: Eine Frau wird ins Krankenhaus gebracht. Erschöpfungszustände waren bei den Pilgern häufig. Fotos: Malteser Hilfsdienst

Rund um den Abschlußgottesdienst mit mehr als einer Million Gläubigen am Sonntag waren 12 000 Helfer von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten im Einsatz. Die sanitätsdienstliche Verantwortung lag beim Malteser Hilfsdienst, unter dessen Federführung mehr als 2500 Ärzte, Rettungsassistenten und Sanitäter der großen Hilfsorganisationen vor Ort waren.

Auf dem Marienfeld errichteten sie bereits am Samstag vor dem Abschlußgottesdienst 45 Unfallhilfsstellen, jeweils eine für 35 000 Pilger. Für die An- und Abreise der Gläubigen standen außerdem am Bahnhof in Horrem neun weitere bereit, auch in Sindorf gab es eine Anlaufstelle.

In der Unfallhilfsstelle kümmert sich ein Arzt um Kranke.

Jede Unfallhilfsstelle war mit einem Arzt und zehn Helfern besetzt. Außerdem hatte die Bundeswehr ein Medical Center mit 75 Behandlungsplätzen am Rande des Geländes aufgebaut, in dem Patienten auch intensivmedizinisch betreut werden konnten. Der Bundesarzt der Malteser, der Anästhesist Dr. Rainer Löb, zieht eine positive Bilanz des größten Einsatzes, den seine Organisation in Deutschland je hatte.

"Es ist nicht so, daß wir nichts zu tun hatten. Aber es war viel weniger als bei anderen Großveranstaltungen wie einem Rockkonzert", sagt Löb. Denn gesundheitliche Probleme aufgrund von Alkohol- oder anderem Drogenkonsum gab es ebensowenig wie Gewalttätigkeiten. "Wir haben insgesamt etwa 2500 Hilfeleistungen erbracht", berichtet er. Wie schon in der Woche des Weltjugendtags hatten die meisten Patienten beim Abschlußgottesdienst nur leichte gesundheitliche Störungen.

Ein Mann wird verbunden. In 45 Unfallhilfsstellen wurden die Pilger während der Abschlußfeier auf dem Marienfeld versorgt.

Hunderttausende Pilger waren bereits am Vorabend der Messe zur sogenannten Vigil, dem Nachtgebet, mit dem Papst auf das Marienfeld gekommen und hatten dort übernachtet. Den größten Andrang erlebten Ärzte und Sanitäter am frühen Sonntagmorgen. "Fast die ganze Nacht hat Nebel auf dem Boden gelegen, deshalb war es fürchterlich feucht und kühl", sagt Löb. Pilger kamen vor allem mit Fieber und anderen Erkältungsproblemen zu den Unfallhilfsstellen, auch Erschöpfungszustände traten häufig auf. Schließlich waren viele Besucher zu Fuß vom 20 Kilometer entfernten Köln zum Marienfeld gekommen.

Allerdings gab es auch einige dramatische Vorfälle. Ein Mann erlitt einen Herzinfarkt. Bei einer italienischen Pilgerin setzten während der Vigil die Wehen ein, sie wurde von Rettungskräften in eine Klinik eingeliefert. Der Katholischen Nachrichtenagentur zufolge brachte sie später ein Mädchen zur Welt, dem sie den Namen "Benedikta" geben will. "250 Patienten mußten von Rettungskräften ins Medical Center der Bundeswehr transportiert werden", berichtet Löb. Von dort aus wurden insgesamt 50 Pilger in ein Krankenhaus gebracht, etwa wegen schwerer Asthmaanfälle oder Herz-Kreislaufstörungen.

Bei den Vorbereitungen für den sanitätsdienstlichen Einsatz bei der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr werden die Malteser ihre Erfahrungen dem Deutschen Roten Kreuz zur Verfügung stellen, das bei dieser Großveranstaltung die Federführung hat. "Bei der Weltmeisterschaft sind die Risiken aber ungleich höher", sagt Löb.

Beim nächsten Papstbesuch in Deutschland, der für den Herbst kommenden Jahres in Regensburg geplant ist, werden voraussichtlich wieder die Malteser für die Erste Hilfe verantwortlich sein. Dann müssen mehr ältere Pilger versorgt werden. "Wir werden uns mehr auf die klassischen Erkrankungen von älteren Patienten wie Schlaganfall oder Herzinfarkt einstellen müssen", sagt der Malteserarzt. Das medizinische Gerät, das die Malteser mitbringen werden, wird aber das gleiche sein. Löb: "Wir waren auch beim Weltjugendtag auf alles vorbereitet."

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