Ärzte Zeitung, 20.09.2005

Eindrucksvolle Fotos von Frauen mit Brustkrebs

Ausstellung "Trotzdem!" der Initiative "überLeben mit Brustkrebs" / Unterstützung von Novartis

Von Dirk Schnack

Beide Füße in der Luft, ein Knie angewinkelt, die Arme weit ausgestreckt - Helga Schulze-Hartung-Prade macht einen Freudensprung, der pure Lebenslust ausdrückt. Nicht, weil die frisch niedergelassene Allgemeinärztin gerade ihre Praxis in Mannheim eröffnet hat, sondern weil sie sich wie befreit fühlt.

Fotografin Edith Held mit ihrer Gruppenaufnahme. Die Fotografin war beeindruckt vom Mut der betroffenen Frauen. Fotos: di

Die Aufnahme der Allgemeinärztin entstand bei einem Fotoshooting der von Novartis unterstützen Initiative "überLeben mit Brustkrebs" (wir berichteten). Fotografin Edith Held hatte die Frauen zu Einzel- und Gruppenfotos nach Berlin gebeten.

"Es war wie eine Befreiung": Allgemeinärztin Helga Schulze-Hartung-Prade vor ihrer Aufnahme.

"Information gibt Selbstsicherheit": TV-Moderatorin Victoria Voncampe hat selbst Brustkrebs gehabt.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte Helga Schulze-Hartung-Prade gerade die für sie passende Therapie gefunden. Als sie dann zusätzlich den Mut zu den ungewöhnlichen Aufnahmen fand, ließ die Ärztin ihrer Freude freien Lauf - und Edith Held gelang es, diese Freude einzufangen.

Zur Eröffnung der Ausstellung "Trotzdem!" in Hamburg kommen Helga Schulze-Hartung-Prade und die anderen Hobby-Models gespannt - sie selbst haben noch kein Foto gesehen. Als sie die großen Aufnahmen im Kuppelsaal des Hafenhotels sehen, sind ihnen Stolz und Freude anzumerken.

Die Frauen haben viel durchgemacht in den vergangenen Wochen und Monaten nach der Diagnose Brustkrebs. Als sie sich jetzt in Hamburg wiedertreffen, ist es fast wie bei einem Klassentreffen. "Nach den Aufnahmen kam es mir vor, als wären wir Monate zusammen gewesen", erinnert sich die Ärztin an die intensiv erlebten zwei Tage in Berlin.

Begleitet wird die Ausstellungseröffnung von einer Podiumsdiskussion. "Was ist, wenn der Brustkrebs da ist", fragt Fernsehmoderatorin Victoria Voncampe. Sie selbst hat es erlebt. Vor acht Jahren bekam sie die Diagnose, heute ist sie geheilt. Warum sie trotzdem mitmacht?

"Ich habe die Erfahrung gemacht, daß viele Patientinnen auf sich allein gestellt sind. Man muß ihnen Mut machen. Wichtig ist, daß sie gut informiert sind und alle Therapiemöglichkeiten kennen", sagt die Moderatorin. Sie will andere Betroffene vor dem Fehler warnen, den sie selbst begangen hat: "Eigentlich wollte ich darüber gar nichts wissen. Nach dem Moto: Ich kann es ja sowieso nicht ändern." Daß diese Einstellung falsch ist, hat die Moderatorin gemerkt, als sie immer mehr über ihre Therapien erfuhr, sie informierter und selbstsicherer wurde.

Privatdozent Dr. Kay Friedrichs vom Hamburger Mammazentrum erinnert die Therapeuten an die "Pflicht, das gesamte Spektrum der Möglichkeiten auszuloten." Eine Therapie ist so individuell wie der Mensch selbst - diesen Satz ihres Kollegen kann Helga Schulze-Hartung-Prade nur unterstreichen. Mit ihrem Hintergrund als Ärztin hatte sie bei der Suche nach der passenden Therapie ganz andere Möglichkeiten als Betroffene ohne medizinischen Hintergrund.

Deshalb ist aus Sicht der Initiatoren der Austausch mit anderen Patientinnen etwa in Selbsthilfegruppen wichtig. Die "Attacke auf die weibliche Identität", wie Psychologin Heidi Brandi die Diagnose nennt, kann nicht mit einer Standardtherapie bekämpft werden.

Kämpfen, dieses Wort hört die Psychologin ohnehin nicht gern. "Kampf löst Streß aus. Streß haben Frauen nach dieser Diagnose aber schon genug", sagt sie. Viel wichtiger sei es, die Frauen umfassend zu informieren und selbstbewußt zu machen, damit sie alle Fragen stellen, die sie beantwortet haben möchten.

Zum Selbstbewußtsein haben die Fotos von Edith Held beigetragen. Die 14 Frauen haben ihre Scheu überwunden. Ob nachdenklich oder freudig, be- oder entkleidet, still sitzend oder lebhaft springend wie Helga Schulze-Hartung-Prade - sie haben sich fotografieren lassen, um zu zeigen, daß das Leben auch nach der Diagnose Brustkrebs weitergeht. Helga Schulze-Hartung-Prades Appell an betroffene Frauen: "Seid mutig, ihr schafft es, aus dem Tal herauszukommen." Wer ihr Foto sieht, glaubt ihr.

Die Tourdaten der Ausstellung "Trotzdem!": 22. Oktober: Lange Nacht der Wissenschaft in Nürnberg 11. bis 17.November: Axel Springer-Passage in Hamburg

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »