Ärzte Zeitung, 02.02.2006

TV-KRITIK / INTERVIEW

Thema Behandlungsfehler - hart, aber fair bei Maischberger

Unter dem Titel "Ärzte am Pranger - immer mehr Pfusch?" diskutierte Sandra Maischberger am Dienstag in ihrer Talkshow über den Fall Bodo Hauser im besonderen und Behandlungsfehler im allgemeinen. Der Kölner Chefarzt Dr. Dieter Mitrenga, Vorstandsmitglied der Kammer Nordrhein, hat an der Diskussion teilgenommen. Nach der Sendung sprach Anja Krüger mit ihm.

Verlangten von Ärzten eine offene Fehlerkultur - die Gäste der Talkrunde bei Sandra Maischberger (r.).

Ärzte Zeitung: Herr Dr. Mitrenga, fühlten Sie sich als Arzt an den Pranger gestellt?

Mitrenga: Nein, im Ergebnis wurden die Ärzte nicht an den Pranger gestellt. Insgesamt war die Diskussion differenziert.

Ärzte Zeitung: Sie waren einerseits als Experte gefragt, andererseits aber gerieten Sie immer wieder unter Rechtfertigungsdruck. Wie fanden Sie Ihre Rolle?

Nicht an den Pranger gestellt: "Ich hoffe es ist rübergekommen, daß wir nicht sprachlos sein dürfen," so Dieter Mitrenga.

Mitrenga: Schwierig. Man wollte jemanden von der Ärztekammer Nordrhein, weil zwei vorgestellte Fälle von Behandlungsfehlern aus dem Kammerbezirk kamen. Zum anderen wollte man einen Arzt, der den täglichen Klinikalltag erlebt. Ich glaube, es ist ’rübergekommen, daß wir Ärzte nicht sprachlos sein dürfen, wenn etwas passiert ist Wir müssen Fehler zugeben, was nicht gleichbedeutend ist mit einem Schuldeingeständnis.

Ärzte Zeitung: Halten Sie es für richtig, eine Diskussion über ärztliche Behandlungsfehler mit einem spektakulären Fall wie dem von Bodo Hauser zu beginnen?

Mitrenga: Das ist schwierig und fokussiert sehr stark. Ich meine aber, daß das Thema insgesamt sensibel behandelt wurde.

Ärzte Zeitung: Ist in der Sendung ein richtiges Bild entstanden über Behandlungsfehler?

Mitrenga: Die Vielzahl von Gründen, warum Behandlungsfehler entstehen, müßte man viel breiter aufdröseln. Wichtig beim Erkennen von Komplikationen ist auch die Frage der Organisation. Dieses Thema ist zu kurz gekommen. Ich hätte mir gewünscht, mehr darauf eingehen zu können, was die Ärzte schon in Jahrzehnten in Eigenregie an Qualitätssicherung geleistet haben, zum Beispiel in Perinatologie und Neonatologie sowie Chirurgie und Herzchirurgie.

Ärzte Zeitung: Die Diskutanten haben immer wieder eine offene Fehlerkultur in der Ärzteschaft gefordert. Glauben Sie, daß Sendungen wie diese einen Beitrag dazu leisten ?

Mitrenga: Es ist deutlich geworden: Ärzte müssen mehr Mut haben, Fehlersituationen zu besprechen. Aber insgesamt ist diese Botschaft noch zu wenig herübergekommen. Trotzdem ist klar geworden, daß das Thema bessere "Fehlerkultur" ein Dauerbrenner ist. Wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen.

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