Ärzte Zeitung, 09.06.2006

"Einer körperlich fitten deutschen Mannschaft gebe ich gute Chancen"

Professor Wilfried Kindermann ist Chefmediziner der heute beginnenden Fußball-WM

Von Patrick Hagen

Hat den Ball nicht nur die nächsten vier Wochen im Blick: WM-Chefmediziner Professor Wilfried Kindermann. Foto: dpa

Olympische Spiele, Welt- und Europameisterschaften - sportliche Großereignisse sind keine neue Erfahrung für Professor Wilfried Kindermann.

Die heute beginnende Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ist dennoch etwas Besonderes für den renommierten Sportarzt. Als Chefmediziner des Organisationskomitees der FIFA ist er für die gesamte medizinische Versorgung in den Stadien und den Trainingsquartieren der Mannschaften zuständig.

Außer für die Spieler ist Kindermann auch für die Funktionäre und den VIP-Bereich in den Stadien verantwortlich. Bei zwölf Spielorten und 32 teilnehmenden Mannschaften mit insgesamt 736 Spielern keine kleine Aufgabe.

"Wenn es notwendig wird, werde ich selbst Hand anlegen"

Kindermann ist seit 1979 Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Vor zwei Jahren ist er vom Organisationskomitee zum Chefmediziner für die WM ernannt worden. "Seitdem habe ich an der Organisationsstruktur der medizinischen Versorgung gebastelt", erzählt Kindermann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Während der Spiele ist er für die Versorgung verletzter Spieler verantwortlich. Dabei will er sich nicht nur auf die Planung beschränken. "Wenn es notwendig ist, werde ich nicht nur organisieren und koordinieren, sondern auch selbst Hand anlegen."

Auch die Organisation der Dopingkontrollen gehört zu den Aufgaben des 65jährigen. Nach jedem Spiel werden zwei Spieler je Mannschaft ausgelost und getestet. Fußball gehört laut Kindermann zwar nicht zu den dopinganfälligen Sportarten, dennoch ist ein möglicher Dopingskandal eine seiner Hauptsorgen. "Ein positiver Dopingfall würde den Sport in den Hintergrund drängen und das Bild der Weltmeisterschaft erheblich trüben."

Zehn Jahre Teamarzt der Fußball-Nationalmannschaft

Spiele des Wochenendes

Fr.,18 Uhr: Costa Rica - Deutschland
Fr.,21 Uhr: Polen - Ecuador
Sa.,15 Uhr: England - Paraguay
Sa.,18 Uhr: Trinidad/Tobago - Schweden
Sa.,21 Uhr: Argentinien - Elfenbeinküste
So.,15 Uhr: Serb./Monten. - Niederlande
So.,18 Uhr: Mexiko - Iran
So.,21 Uhr: Angola - Portugal

Kindermann war zwischen 1990 und 2000 Mannschaftsarzt der deutschen Nationalmannschaft und hat das Team bei zwei Welt- und drei Europameisterschaften betreut. Er hat aber nicht nur mit Fußballern Erfahrung. Bei den vergangenen Olympischen Sommerspielen in Sydney und Athen war er der leitende Mannschaftsarzt der deutschen Athleten. Insgesamt hat er an sieben Olympischen Spielen teilgenommen. Auch Leichtathleten und Ruderer hat Kindermann bei mehreren Welt- und Europameisterschaften versorgt.

Zur Sportmedizin ist der ehemalige Leistungssportler während seiner Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in Freiburg gekommen. "Nachdem ich bereits mit 38 Jahren einen Ruf auf den Lehrstuhl für Sportmedizin an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken erhielt, war endgültig meine sportmedizinische Laufbahn besiegelt", erzählt er.

Die Aussichten für die deutsche Mannschaft sieht Kindermann optimistisch: "Einer körperlich fitten deutschen Mannschaft gebe ich gute Chancen, mit Unterstützung der Zuschauer sehr weit im Turnier zu kommen." Sein Favorit ist allerdings Argentinien "mit der Mischung aus südamerikanischem und europäischem Stil."

Lesen Sie auch:
736 Spieler, Tausende Offizielle und Millionen Fans - medizinische Versorgung bei der WM ist ein Kraftakt

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »