Ärzte Zeitung, 14.06.2006

"So was erlebt man nur ein Mal im Leben"

Der Koblenzer Werner Rosenbaum ist einer von 15 000 freiwilligen Helfern, die den WM-Gästen beistehen

Ist während der WM für den Fahrdienst eingeteilt: der freiwillige Helfer Werner Rosenbaum. Foto: dpa

Um bei der WM hautnah dabei sein zu können, nimmt Werner Rosenbaum einiges in Kauf. Der 58jährige aus Koblenz arbeitet als freiwilliger WM-Helfer fast den ganzen Juni über im Schichtdienst in Köln - und das unentgeltlich.

Rosenbaums Schichten wechseln - mal von morgens bis nachmittags, mal von nachmittags bis nachts. Nach Köln fährt er mit dem eigenen Auto, vielleicht mietet er sich dort noch ein Zimmer - auch dieser Aufwand wird nicht erstattet. Doch Rosenbaum ist darüber nicht böse: "Bei der WM als freiwilliger Helfer dabei zu sein, das ist mit Geld nicht zu bezahlen."

Werner Rosenbaum gehört zu den etwa 15 000 freiwilligen Helfern, die während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland Gäste aus aller Welt empfangen, sie fahren, Fragen beantworten und ihnen beistehen, wenn es Probleme gibt.

Für den fußballbegeisterten 58jährigen ist das die Gelegenheit, das Mega-Ereignis Fußball-WM hautnah zu erleben und sich auch noch nützlich zu machen: "Ich bin knatschgeckisch drauf", gibt der frühere Torwart des Ballsportclubs Güls im schönsten "Kowelenzer Platt" zu. "So was erlebt man nur ein Mal im Leben."

Er ist auch ein wenig stolz darauf, aus bundesweit etwa 50 000 Bewerbern ausgewählt worden zu sein. Die "lachenden Gesichter der WM" nennt das WM-Organisationskomitee (OK) die Freiwilligen. Die Frauen und Männer hinter den Kulissen sollen Freundlichkeit, Kompetenz und Hilfsbereitschaft vermitteln und den internationalen Gästen das Gefühl geben, daß sie gut aufgehoben sind.

Rosenbaum erfüllt alle Voraussetzungen: So lange er zurückdenken kann, begeistert er sich für Fußball; er kennt seinen Einsatzort Köln wie seine Westentasche; und er spricht fließend Englisch. Der Tatkraft ausstrahlende Rheinländer wird während der WM im Fahrdienst eingesetzt: OK- und FIFA-Delegationen zwischen Flughafen, Hotel und dem Stadion hin- und herfahren, eventuell auch Mannschaftsbusse begleiten. Hat er dann überhaupt Zeit, die Spiele zu sehen? "In unserem Hauptquartier Hyatt-Hotel und im Aufenthaltsraum am Stadion sind Großbildschirme", beruhigt sich der WM-Fan.

Vielleicht ergibt sich auch die Möglichkeit, den einen oder anderen Fußballstar persönlich zu erleben - wie bereits beim WM-Workshop von etwa 30 Kölner Freiwilligen am 5. März in Düsseldorf. Da trank Rosenbaum zusammen mit Oliver Bierhoff eine Tasse Kaffee. Beim Treffen am 2. April in Köln erlebte er dann Ex-Nationaltrainer Rudi Völler live. "Ein Supertyp", schwärmt Rosenbaum.

Der Koblenzer hatte sich im Frühjahr 2004 per Internet für den Volunteer-Dienst beworben. Im Oktober 2005 kam dann ein lapidarer Anruf, ob er Zeit habe im Juni. Rosenbaum hatte Zeit. Als Angestellter in Altersteilzeit kann er sich eine Job-Auszeit nehmen. Nach einem kurzen Interview Anfang November 2005 stand fest, daß Rosenbaum einer der 1000 Volunteers in Köln sein wird. (dpa)

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